Solarmarkt hat seinen neuen Standort in Aarau umfassend saniert und modernisiert. Entstanden ist ein Gebäude, das zeigt, wie Photovoltaik, Energieeffizienz, Ladeinfrastruktur und Nachhaltigkeit im Bestand zusammenspielen können.
Autor: René Senn
Bilder: René Senn & Solarmarkt
Wer über Photovoltaik, Energiewende und Nachhaltigkeit spricht, kommt schnell auf viele Themen und Ideen. Beim Medienanlass von Solarmarkt in Aarau wurde daraus ein konkreter Rundgang durch ein Gebäude, das in den vergangenen Jahren vollständig umgebaut wurde. Oder anders gesagt: Aus einer bestehenden Immobilie wurde ein neuer nachhaltiger Unternehmensstandort, der den eigenen Anspruch an das heute Machbare sichtbar und erlebbar macht.
Fokus auf das Thema
Solarmarkt ist als Grosshändler im B2B-Geschäft tätig. Das Unternehmen kauft PV-Komponenten weltweit ein, kommissioniert diesen und liefert sie mit ergänzenden Dienstleistungen an Fachbetriebe und Installateure in der Schweiz. In den letzten Jahren ist der Schweizer PV-Markt stark gewachsen – mit allen Chancen, aber auch mit den bekannten Herausforderungen für Logistik, Lager, Service und Organisation. Für Solarmarkt bedeutet dies: Die bestehende Infrastruktur reicht nicht mehr aus.
Nachhaltigkeit selber leben
Der neue Standort in Aarau ist nicht einfach ein grösseres Bürogebäude. Er ist auch ein Stück Unternehmensentwicklung. CEO Rafael Stadelmann ordnete die Sanierung am Medienanlass entsprechend ein: Der Aufbau eines solchen Standorts sei für ihn über viele Jahre ein Ziel gewesen. Nicht als repräsentatives Leuchtturmprojekt um jeden Preis, sondern als funktionierende praxisnahe Infrastruktur für Mitarbeitende, Kunden, Schulungen, Logistik und den weiteren Ausbau des Unternehmens.
Ein Gebäude, bei dem fast alles angefasst wurde
Die Sanierung umfasste praktisch alle zentralen Bereiche: Haustechnik, Wärme und Kälte, Lüftung, Elektrik, Netzverstärkung, IT-Leitungen, Serverinfrastruktur, Energiemanagement, Photovoltaik, Sanitäranlagen, Kantine, Büroräume, Fassade und den Ausbau der vierten Etage. Das Gebäude wurde dazu in zwei Etappen saniert. Der Büroteil musste möglichst rasch bezogen werden, gleichzeitig liefen weitere Arbeiten an der Fassade im laufenden Betrieb. Dies war auch eine Herausforderung für die Mitarbeitenden. Und wie bei jedem Umbau in diesem Massstab, erwies sich auch die Modernisierung der Haustechnik als sehr anspruchsvoll. Rückblickend war die aufwendige Planung gemäss Rafael Stadelmann aber ein wichtiger Entscheid, weil sie die Grundlage für die heutige Effizienz des Gebäudes bildet. Leuchtturmprojekte kenne Solarmarkt zwar, aber das sei nicht sein Ziel gewesen. Rafael Stadelmann blickt stolz auf den Schweizer Firmensitz: «Am Ende ist der neue Standort für uns ein grosser Erfolg geworden. Die Mitarbeitenden sind gerne hier – und wir zeigen gerne, was wir gemeinsam aufgebaut haben.»
Keine kleine Nummer
Die Zahlen zeigen das Ausmass: Die Parzellenfläche beträgt 1423 m2, die Nutzfläche 3161,8 m2. Im Rahmen der Sanierung wurden 514 neue Fenster eingebaut. An der Gebäudehülle und auf den PV-Flächen kamen 278 PV-Module, 276 Glasmodule und 488 Welleternit-Platten zum Einsatz. Hinzu kommen 13 Ladestationen, drei Monoblock-Lüftungen, rund 30 eigene Parkplätze, ein 1-Gbit-Glasfaseranschluss und ein Stromanschluss mit 315 A. Was es heute noch nicht gibt am Standort oder technisch fehlt, ist eigentlich nur ein passender Batteriespeicher. Aber Stadelmann hat auch hierzu schon Pläne im Kopf wie er uns verrät: «Wir haben in diesem Quartier eine hervorragende Ausgangslage für ein ZEV oder gar LEG. Es ist auch schon ein passender Platz für einen passenden Speicher vorgesehen. Diesen wollen wir zukünftig auch netzdienlich einsetzen. Priorität hatte aber jetzt erst mal der Umbau».
Photovoltaik gesamtheitlich gedacht
Photovoltaik spielt am neuen Standort eine zentrale Rolle. Und wie es sich für Solarprofis gehört, nicht nur klassisch auf dem Dach. Solarmarkt nutzt die eigene Immobilie auch, um unterschiedliche Anwendungen sichtbar zu machen: PV auf dem Dach, PV an der Fassade und sogar eine PV-Lösung beim Haupteingang im Boden. Gerade bei der Fassade ging es laut Stadelmann nicht darum, ein möglichst aufwendiges Einzelstück zu bauen. Vielmehr sollte gezeigt werden, wie sich eine integrierte PV-Fassade mit vertretbarem Aufwand realisieren lässt. Statt unzähliger Sonderformate wurde das Gebäude mit einer überschaubaren Anzahl unterschiedlicher Modulgrössen eingedeckt. Das ist nicht nur für die Erstellung relevant, sondern auch für den späteren Unterhalt.
Strom aus dem Boden
Interessant, und in dieser Art ein Novum, ist die Solar-Bodenlösung beim Eingang. Sie zeigt, dass Photovoltaik nicht nur auf Dachflächen beschränkt bleiben muss. Solche Anwendungen sind planerisch anspruchsvoller als Standardanlagen, weil Sicherheit, mechanische Belastbarkeit, Niederspannung und Nutzung im Alltag zusammenspielen müssen. Für Installateure und Planer ist genau dieser Punkt spannend: Die Energiewende findet nicht nur auf der ideal ausgerichteten Dachfläche statt, sondern zunehmend auch an Fassaden, auf Nebenflächen und in baulich integrierten Lösungen.
Weniger Energiebedarf, mehr Eigenversorgung
Die Sanierung bringt auch konkrete energetische Effekte. Solarmarkt rechnet mit einer Einsparung von rund 15'000 Litern Öl. Gesamthaft sinkt der CO₂-Ausstoss des Gebäudes um 77 Prozent, pro Kopf sogar um 95 Prozent. Für Wärme und Kälte benötigt das Gebäude pro Quadratmeter rund 30 Prozent weniger Energie. Die drei PV-Anlagen produzieren voraussichtlich 80’000 bis 90’000 kWh Strom pro Jahr. Dem steht ein Stromverbrauch von rund 107’000 kWh gegenüber. Die Autarkiequote liegt gemäss Hochrechnung bei rund 70 Prozent. Dass diese Werte nicht allein durch Photovoltaik entstehen, ist wichtig. Gebäudehülle, Fenster, Lüftung, Fernwärme und Fernkälte sowie das Energiemanagement gehören ebenso dazu. Die eingesetzten Deckenelemente übernehmen mehrere Aufgaben gleichzeitig: Heizen, Kühlen, Lüften und Schallabsorption. Gleichzeitig wird die thermische Masse des Gebäudes genutzt, um Wärme und Kälte besser über den Tag zu verteilen.
Auch die Mobilität wird elektrisch gedacht
Natürlich wurde auch die Elektromobilität von Beginn weg mitgedacht. Die 13 Ladestationen dienen Mitarbeitenden, Kunden und Lieferanten. Weil im Alltag nicht nur die PV-Anlage, sondern auch Ladeinfrastruktur, Gebäude- und IT-Infrastruktur zusammenkommen, wurde der Stromanschluss auf 315 A ausgebaut. Das Energiemanagement und das Lastmanagement sind auch in diesem Gebäude wichtige Bausteine des Energie-Betriebs.
Infrastruktur für Menschen
Neben Technik und Zahlen spielte am Medienanlass auch ein anderer Punkt eine wichtige Rolle: die Attraktivität des Arbeitsplatzes. Die Sanierung begann in einer Zeit, in der Homeoffice und verteiltes Arbeiten den Alltag stark geprägt hatten. Der neue Standort sollte deshalb nicht nur funktional sein, sondern Mitarbeitende wieder zusammenbringen. Dazu zählen Sicherheit, Gesundheit, Weiterbildung, Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie ein motivierendes Arbeitsumfeld. Als Ziel nennt Solarmarkt unter anderem, dass 30 Prozent der Belegschaft in Teilzeit arbeiten können und 90 Prozent flexible Arbeitszeiten nutzen. Dazu gehört auch die eigene Kantine ebenso wie Schulungsräume, Büroräume, Ausstellungsflächen und Werkstattbereiche. Solarmarkt investierte damit nicht nur in Gebäudehülle und Energieeffizienz, sondern auch in eine Infrastruktur, die für Mitarbeitende und Kunden im Alltag spürbar ist. Die Räumlichkeiten sind sehr attraktiv eingerichtet und haben einen natürlichen Touch. Dieser Aspekt ist auch für die Branche ein interessantes Detail. Denn die Energiewende wird oft über Technik erklärt. In der Praxis entscheidet aber auch, ob ein Gebäude funktioniert, ob die Mitarbeitenden gerne vor Ort sind und ob Schulungen, Service, Beratung und Logistik effizient abgewickelt werden können.
Nachhaltigkeit als Strategie
Im zweiten Teil der Präsentation zeigte David Galeuchet, wie Solarmarkt die Gebäudesanierung in eine breitere Nachhaltigkeitsstrategie einordnet.
Das Unternehmen hat dazu vier Handlungsfelder definiert: Produkte, Logistik, Infrastruktur und Soziales. Insgesamt umfasst die Strategie 37 messbare KPIs. Bei den Produkten geht es unter anderem um ESG-Kriterien, Umwelt-Produktdeklarationen, Rücknahmesysteme und nachhaltigere Verpackungslösungen. Bis 2027 sollen ESG- und EPD-Nachweise bei Solarmarkt einen Anteil von 10 Prozent erreichen. Zudem sollen bis Q3 für alle zehn Modulhersteller und 120 Module im Sortiment entsprechende Informationen bereitstehen. David Galeuchet fasst diesen Punkt in seiner Präsentation sehr gut zusammen: «Nur wenn man sich konkrete Ziele setzt, kann man auch einen Weg beschreiten. Wir wollen zeigen, dass Klimaschutz, soziale Verantwortung und wirtschaftlicher Erfolg zusammen funktionieren können.»
Logistik zunehmend im Fokus
Eine Nachhaltigkeitsstrategie lässt sich nicht alleine umsetzen. Das gilt auch für Solarmarkt. Als Grosshändler ist Logistik ein zentraler Hebel: Die CO₂-Intensität pro transportierte Tonne soll sinken. Dazu gehören digitale Optimierung, reduzierte Fahrten und alternative Antriebsformen. Beim Logistikpartner sind erste E-LKW vorhanden, eine LKW-Ladeinfrastruktur mit Speicher ist in Planung. Solarmarkt bringt dabei das eigene Fachwissen ein. Als Grosshändler versteht sich das Unternehmen auch als Dienstleister für die Auslegung und Umsetzung solcher Projekte, stets in Zusammenarbeit mit externen Partnern.
Rückenwind aus der Stadt
Zum Abschluss des Medienanlasses schaute auch Hanspeter Hilfiker, Stadtpräsident von Aarau, am neuen Solarmarkt-Standort vorbei. Er ordnete das Projekt gleich mehrfach ein: Für die Stadt sei Solarmarkt als Arbeitgeber wichtig, aber auch als Unternehmen in einem Bereich, der zur Klimastrategie und zur Wirtschaftsstrategie von Aarau passe.
Aarau will gemäss Hilfiker als Stadt bis 2045 klimaneutral werden, bei den städtischen Aktivitäten bereits bis 2035. Gleichzeitig wolle die Stadt gezielt Bereiche wie Gesundheit, Medtech und Cleantech fördern. Ein Unternehmen wie Solarmarkt passe deshalb gut zum Standort Aarau. Hilfiker hob zudem hervor, dass der Ausbau und Umbau auf einem Baurechtsgrundstück der Einwohnergemeinde realisiert wurde und die Umsetzung über mehrere Baubewilligungen hinweg ohne grössere Einwendungen verlaufen sei. Zum Abschluss dankte er Solarmarkt für die Investitionen und das Engagement am Standort Aarau.
Kein fertiges Ideal, sondern ein realistischer Schritt
Die Präsentation und die Führung haben es gezeigt. Der neue Standort von Solarmarkt ist kein theoretisches Nachhaltigkeitskonzept. Er ist auch kein perfektes Mustergebäude, das sich eins zu eins kopieren lässt. Gerade deshalb ist er interessant, weil es ehrlich zeigt was praktisch möglich ist und sich in einem Umbau auch wirtschaftlich realisieren lässt. Hier wurde eine bestehende Immobilie übernommen, schrittweise und nachhaltig saniert, technisch aufgerüstet und auf die Bedürfnisse eines wachsenden Unternehmens ausgerichtet. Für Installateure, Planer und Gebäudetechniker zeigt das Projekt dadurch mehrere Punkte, die für die Praxis relevant sind: Die Sanierung im Bestand ist anspruchsvoll. Photovoltaik wird vielfältiger. Ladeinfrastruktur braucht frühzeitige Planung. Energieeffizienz entsteht aus dem Zusammenspiel vieler Gewerke. Und Nachhaltigkeit wird erst dann glaubwürdig, wenn sie im Betrieb messbar wird.
Impressum
Autor: René Senn
Bilder: René Senn & Solarmarkt (Drohnenaufnahme)
Informationen
Veröffentlicht am:

