Sharing-Plattform «Depotcharge» startet in der Schweiz

Depotcharge
Bild: Offizielle Unterzeichnung der Charta Roadmap Elektromobilität 2030 des Bundesamts für Energie. Zu sehen von links: Julius Wilhlem, Geschäftsführer Evolve Energy GmbH; Cédric Styner, COO G. Leclerc Transport AG; Cornelia Eltrich, Marketing & Kommunikation Manager E-Mobility Repower AG; Ville Heimgarter, Senior Project & Sustainability Manager, DPD (Schweiz) AG; Reto Wullschleger, Sales Manager E-Mobility Repower AG.

Gemeinsame Nutzung statt Leerlauf: Eine neue Plattform vernetzt Ladeinfrastruktur im Schwerverkehr und adressiert damit zentrale Effizienz- und Kostenfragen der Elektromobilität.



Evolve Energy GmbH


Mit «Depotcharge» geht am 1. Mai 2026 in der Schweiz eine Plattform live, die ungenutzte Ladepunkte von Logistikunternehmen zugänglich macht. Ziel ist eine bessere Auslastung bestehender Infrastruktur, geringere Kosten im Ladebetrieb und ein beschleunigter Hochlauf der E-Lkw im Alltag.

Die Elektrifizierung von Nutzfahrzeugflotten schreitet voran, doch vielerorts bleibt die Ladeinfrastruktur hinter ihren Möglichkeiten zurück. Genau hier setzt die neue B2B-Plattform «Depotcharge» an. Entwickelt von der Evolve Energy GmbH und in der Schweiz gemeinsam mit Repower, DPD Schweiz und der G. Leclerc Transport AG ausgerollt, ermöglicht sie die gemeinsame Nutzung von Depot-Ladepunkten innerhalb der Branche.

Plattformprinzip: Zugang zu bestehenden Ladepunkten

Das Funktionsprinzip ist bewusst einfach gehalten. Unternehmen mit eigener Ladeinfrastruktur stellen freie Zeitfenster anderen registrierten Flottenbetreibern zur Verfügung. Diese buchen die benötigten Ladeslots und erhalten Zugriff auf die entsprechenden Ladepunkte. Preise und Zugangszeiten definieren die Standortbetreiber selbst.

Depotcharge übernimmt dabei die operative Abwicklung, von der Reservierung über den Zugang bis zur automatisierten Abrechnung. Technisch relevant ist, dass sich die Plattform laut Angaben der Beteiligten innerhalb von ein bis zwei Wochen in bestehende Systeme integrieren lässt, ohne Anpassungen an Hardware oder Software vor Ort.

Wirtschaftlichkeit und Netzentlastung im Fokus

Die Idee adressiert mehrere bekannte Herausforderungen im Markt. Ladepunkte an Depots sind oft nicht durchgehend ausgelastet, während gleichzeitig öffentliche Ladeinfrastruktur deutlich höhere Kosten verursacht. Durch die geteilte Nutzung entsteht ein wirtschaftlicher Hebel.

Cornelia Eltrich, Marketing & Kommunikation Manager E-Mobility bei Repower, ordnet dies so ein: «Damit sich diese Investitionen wirtschaftlich tragen, muss die vorhandene Kapazität bestmöglich genutzt werden. Depotcharge schafft den kommerziellen Rahmen dafür.»

Auch auf Betreiberseite von Flotten zeigt sich der Nutzen in der Praxis. Ville Heimgartner, Senior Project & Sustainability Manager bei DPD Schweiz, betont: «Entscheidend ist die Kosteneffizienz im Ladebetrieb und die Planbarkeit unserer Touren. Mit Depotcharge erhalten wir Zugang zu Ladepunkten entlang unserer Routen zu deutlich günstigeren Konditionen als im öffentlichen Netz.»

Neben wirtschaftlichen Aspekten wird auch die Netzperspektive relevant. Eine höhere Auslastung bestehender Infrastruktur reduziert den Bedarf an zusätzlichem Netzausbau, was insbesondere im Kontext steigender Anschlussleistungen für E-Lkw an Bedeutung gewinnt.

Einbettung in die Roadmap Elektromobilität 2030

Der Schweizer Rollout ist Teil eines grösseren industriepolitischen Rahmens. Das Projekt ist als konkrete Massnahme in die Roadmap Elektromobilität 2030 des Bundesamts für Energie eingebettet. Ziel ist die Dekarbonisierung des Verkehrssektors und die Beschleunigung der Elektrifizierung im Schwerverkehr.

Langfristig soll ein flächendeckendes Netzwerk entstehen. Neben Repower, DPD und G. Leclerc Transport ist auch die Schweizerische Post involviert. Der Nutzfahrzeugverband ASTAG nutzt die Plattform zudem für sein Angebot «ASTAG Charge».

Europäische Perspektive und Skalierung

Depotcharge ist bereits in Deutschland verfügbar und wird als europaweite Lösung positioniert. Die Plattform versteht sich als Bindeglied zwischen Infrastrukturbetreibern und Logistikunternehmen, die flexible und kosteneffiziente Ladeoptionen ausserhalb eigener Depots benötigen.

Die strategische Logik dahinter ist klar: Je dichter das Netzwerk, desto höher der Nutzen für alle Beteiligten. Skalierung und Standardisierung werden damit zu zentralen Faktoren für den Erfolg.

Fazit

Mit Depotcharge entsteht ein marktnahes Modell zur effizienteren Nutzung bestehender Ladeinfrastruktur im Schwerverkehr. Der Ansatz kombiniert wirtschaftliche Anreize mit operativer Einfachheit und fügt sich in die übergeordneten Ziele der Elektrifizierung ein. Ob sich das Konzept flächendeckend etabliert, hängt letztlich von der Bereitschaft zur Kooperation innerhalb der Branche ab.


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