Ricola, Victorinox oder Ikea zeigen, wie rentable Eigenstromnutzung mit grossen Solaranlagen funktioniert. Auf gemischten Gewerbeliegenschaften war das bisher selten.


TEXT: SWISSOLAR


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Wenn tagsüber in den Büros die Computer heiss laufen, im Imbiss der Grill auf Hochtouren heizt, der Kunststoffverarbeiter Formen giesst oder in der Filiale des Detailhändlers die Kühlung brummt, liefern Photovoltaikanlagen (PV-Anlagen) am meisten Strom – Gewerbe und Solarenergie sind also eine perfekte Kombination. Hinzu kommt, dass der Strom vom eigenen Dach günstiger ist als der Strom vom lokalen Elektrizitätsversorger.

Doch trotz dieser Vorteile sind Solarstromanlagen in Gewerbeliegenschaften noch eher selten. Denn vor allem bei bestehenden Gebäuden, die verschiedene KMU als Mietparteien beherbergen, war es bis vor Kurzem aufwändig, Solarstrom vom eigenen Dach zu nutzen.

Trotzdem hat Swiss Renewable Solutions auf zwei Gewerbeliegenschaften im luzernischen Kriens 2023 zwei Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von rund 160 kWp und einer jährlichen Produktion von rund 150'000 kWh Strom realisiert.

Contractor trägt Verantwortung

«Das Gebäude gehört nicht uns», erklärt Roman Gysel von Swiss Renewable Solutions. «Als Contractor mieten wir das Dach, haben die Anlage geplant, finanziert und gebaut und betreiben sie nun.» Im Gegenzug verpflichtet sich die Eigentümerschaft, Solarstrom zu beziehen, wenn die Anlage auf dem Dach produziert. Der Preis dieses Eigenverbrauchs liegt rund 20 Prozent unter dem Stromtarif.

Eine Win-Win-Situation also? «Bis anhin hat sich die Investition für uns noch nicht gerechnet», erklärt Gysel. Denn in den ersten zwei Betriebsjahren konnte die Solarenergie nur für den Allgemeinstrom genutzt werden – für Aufzug, Lüftung und Licht im Treppenhaus. Der Eigenverbrauch belief sich so nur auf rund 40 Prozent der Produktion. Der Rest wurde ins lokale Verteilnetz eingespeist – die Entgelte dafür sind in letzter Zeit jedoch deutlich gesunken.

«2024 haben wir im Durchschnitt nur 2.7 Rappen pro Kilowattstunde erhalten», so Gysel. Zum Vergleich: Der Strom vom Netz des lokalen Anbieters kostet mindestens 20 Rappen pro Kilowattstunde, inklusive Abgaben. Für den Solarstrom, den Gysel als Eigenverbrauch hausintern absetzen kann, liegt der Erlös bei rund 16 Rappen pro Kilowattstunde, also rund 20 Prozent tiefer als der Stromtarif.

Wirtschaftlichkeit dank vZEV steigern

Ab diesem Jahr können nun auch die Mietparteien im Krienser Gewerbebau Solarstrom vom Dach kaufen. «Wir gehen davon aus, dass der Eigenverbrauch auf rund 60 bis 70 Prozent steigt, je nachdem, wie viele Mietparteien mitmachen. Damit können wir die Anlage wirtschaftlich betreiben», zeigt sich Gysel erfreut. «Gleichzeitig profitieren auch die Mietenden von den tieferen Strompreisen.»

Dass diese Lösung erst jetzt, zwei Jahre nach Inbetriebnahme umgesetzt wird, hat mit der Gesetzgebung zu tun. Dank dem neuen Energiegesetz sind seit 2025 sogenannte virtuelle Zusammenschlüsse zum Eigenverbrauch (vZEV) möglich. «Neu dürfen die Zähler der Energieversorger genutzt werden, um die Strombezüge innerhalb des vZEV zu messen und mit diesen Daten den Eigenverbrauch zu ermitteln», so Gysel.

Vor dieser Neuerung mussten dafür zusätzliche Zähler installiert werden. «Neben den Kosten für die Solaranlage von rund 300'000 Franken hätten wir zusätzlich 40'000 bis 50'000 Franken in neue Zähler investieren müssen», so Roman Gysel. Diese Kosten kann er sich nun sparen. Eine grosse Hürde für die gemeinschaftliche Nutzung von Solarenergie in Bestandsliegenschaften ist damit aus dem Weg geschafft.

 

Ricola, Victorinox oder Ikea haben grosse Solaranlagen auf ihren Gebäuden installiert und nutzen den produzierten Strom zu einem grossen Teil gewinnbringend selbst. Noch selten sind solche Anlagen jedoch auf gemischten Gewerbeliegenschaften. Dies könnte sich nun dank dem neuen Energiegesetz ändern. Denn es macht die gemeinsame Nutzung von Solarenergie vom Dach deutlich interessanter – sowohl für die Eigentümerschaft als auch für die eingemieteten Unternehmen.

Dienstleister übernehmen komplexe Abrechnung

Blauäugig hat Solarspezialist Gysel die Investition allerdings nicht getätigt: «Die Gesetzesänderung zeichnete sich schon damals ab, und wir haben das Investitionsrisiko bewusst in Kauf genommen.» Nun hofft er, dass auch andere Eigentümerschaften von Büro- und Gewerbeliegenschaften dem Beispiel folgen.

Denn einen vZEV zu gründen, ist heute einfach: Der vZEV wird beim Netzbetreiber angemeldet, und die Energieversorger sind verpflichtet, die Messdaten bereitzustellen. Ob Mietende beim vZEV mitmachen wollen, ist ihnen freigestellt. Dank der neuen Regelung können einzelne Parteien und sogar Liegenschaften in der Nachbarschaft unkompliziert in den vZEV aufgenommen werden. Voraussetzung ist, dass sie am gleichen Verteilkasten beziehungsweise an der gleichen Sammelschiene einer Trafostation angeschlossen sind.

Wer Solarstrom vom Dach bezieht, erhält die Stromrechnung nicht mehr vom Energieversorger, sondern vom Betreiber des vZEV. Dieser tritt gegenüber dem Elektrizitätsversorger als Stromkäufer und Verkäufer auf und übernimmt die gesamte Abrechnung innerhalb der Gemeinschaft.

«Die Abrechnung ist recht komplex und wird in der Regel an einen Dienstleister ausgelagert, der über spezielle Softwarelösungen verfügt», so Gysel. «Wir als Contractor können diese Aufgabe auf Wunsch aber auch übernehmen.»

Nachfrage nach erneuerbarem Strom steigt

Ob sich eine Solaranlage mit einem vZEV für eine Gewerbeliegenschaft lohnt, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Genügt die Tragfähigkeit des Dachs? Oder steht eine Dachsanierung an? Dann ist der ideale Zeitpunkt, die Solaranlage gleich in das Bauvorhaben zu integrieren.

Entscheidend für die Dimensionierung ist auch der Stromverbrauch der Mieterschaft. «Interessant sind Unternehmen mit hohem Stromverbrauch», so Gysel. «Insgesamt sollte mindestens ein Eigenverbrauch von 60 Prozent des Solarstroms resultieren.»

Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass der Stromverbrauch in naher Zukunft generell steigen wird. Zunehmend werden Unternehmen Ladestationen nachfragen oder ihre Räume im Sommer kühlen. Hinzu kommt: «Gewerbe und Zulieferer der Industrie fragen nach Strom aus erneuerbarer Energie, um ihre Treibhausgasbilanz zu verbessern», ist Gysel überzeugt. So wird das Angebot an günstigem Solarstrom zu einem guten Vermietungsargument, gerade an weniger attraktiven Standorten.

lokalerstrom.ch

Die Vermarktung von lokal produziertem Strom wirft viele Fragen auf und bringt diverse Herausforderungen mit sich. Die Informationsplattform von Swissolar, EnergieSchweiz und VSE informiert übersichtlich, fundiert, neutral und aktuell über ZEV, vZEV und LEG.

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Ertragswerte 3. Juni

Ertragswerte 3. Juni

(mit ZEV, geschätzt)

Vergleich der Energiewerte mit und ohne virtuellen Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (vZEV):
Können auch die Mietparteien im Gewerbegebäude Solarstrom beziehen, steigt der Eigenverbrauch (geschätzte Werte) deutlich, gleichzeitig sinkt die Einspeisung des Überschussstroms ins Netz.

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