Autor: Bruno Haberger
Wer am Branchentag 2026 bei den Referaten und in den Pausen genau hingehört hat, konnte ein seltsames Gefühl bekommen: Gebäudeautomation wurde diskutiert, als sei sie ein neues, innovatives Thema, das jetzt erst auf die Branche zukommt. Dabei existiert die moderne Gebäudeautomation seit über 35 Jahren, oder wenn man weiter zurückblickt seit 1830, als ein Schotte den Thermostaten erfand. Den Experten ist dies schon lange sonnenklar: Smart Home ist kein Zukunftstrend, sondern längst Realität. Was es deshalb jetzt braucht, ist ein Ruck durch die ganze Branche.
Die Zukunft von gestern ist heute Was ist passiert?
Hat sich die Elektrobranche über Jahrzehnte erfolgreich gegen die Automation gewehrt mit Argumenten wie «zu komplex», «will ja niemand», «zu teuer»? Und jetzt plötzlich: Ups – das ist ja doch ein spannendes Thema? Unweigerlich kommt da die Frage auf: «Habe ich denn überhaupt noch Zeit, mich dem auch noch zu widmen?» Denn da sind ja auch noch die Energiethemen wie Solar, Energiespeicher, E-Mobilität und IT. Und ganz hinten, weit am Horizont, kommt schon das nächste Gespenst auf die Branche zu: Huuuu, Huuuuu – jetzt auch noch Cybersecurity.
«KNX ist seit über 35 Jahren ein sicherer Wert in der intelligenten Gebäudetechnik. Als weltweit anerkannter Standard verbindet KNX alle Gewerke effizient, flexibel und zukunftssicher und schafft damit nachhaltige Lösungen für moderne Gebäude.»
Der Wendepunkt Die Zeit drängt.
Wie sagt man so schön: «Matthäi am Letzten». Sprich, wenn wir das Thema nicht jetzt unserer Branche einverleiben, dann sind sie für uns weg: die Wertschöpfung, das Dienstleistungspotenzial, das Know-how, die Zukunft. Die Grenzen zwischen Elektroinstallation und IT verschwimmen zunehmend. Fachleute müssen heute Netzwerktechnik, Datenmanagement und Cybersecurity beherrschen. Die neue EIT.swiss Grundbildung Gebäudeinformatiker: in EFZ zeigt, wohin die Reise geht und dass die Branche den Weckruf gehört hat. Auch wenn es bei diesem Thema immer noch zu viele Zweifler gibt, die fragen, ob das der richtige Weg sei. Natürlich ist es der richtige Weg! Warum? Wer sonst soll unsere vernetzten Gebäude planen, bauen, einrichten, konfigurieren? Aber keine Angst, dieser Artikel zeigt nicht mit dem Finger auf Versäumtes. Er zeigt, welche Technologie die Elektrobranche jetzt nutzen kann, um den Anschluss nicht zu verlieren. Mehr noch, es geht darum, die Führung zu übernehmen und dabei durchgängig unabhängig zu bleiben.
«Nachhaltige und sichere Lösungen sind für mich zentral. Darum setze ich auf KNX: Der Standard bietet einzigartige Sicherheit, Kompatibilität und Zukunftssicherheit – seit über 35 Jahren. Das lässt mich und auch Ihr Portemonnaie ruhig schlafen.»
Elektro ist eine Schlüsseltechnologie
Mit dem Wandel steht die Frage an: Wer soll die Gebäudeautomation planen, installieren und warten? Die Elektrobranche, die das Handwerk seit Jahrzehnten beherrscht? Oder ITDienstleister, die mit oft proprietären Cloud-Lösungen auf den Markt drängen? Cello Duff von Schneider Electric verpackte einen Appell an die Branche in sein Referat: «Die Elektrobranche wird zum Schlüssel in der Energiebranche. Aus dem Installateur wird der digitale Systemspezialist, der die Systeme vernetzt und Zukunft ermöglicht.» Cello Duff bringt es damit auf den Punkt: Die Transformation ist in vollem Gange. Vom Installateur zur Systemverantwortlichen, vom Stromverteiler zum Energiemanager, vom Hardware-Fokus zum Software- und Datenprofi. In der IT spricht man von einer softwaredefinierten Welt. Wer diese Entwicklung verschläft, wird abgehängt. Wer sie aktiv gestaltet, hat die Chance, die Wertschöpfung in der eigenen Branche zu halten. Ist das der Branche bewusst? Die Antwort auf die Frage, welche Technologien diese Transformation ermöglichen, liefert ein Blick in die Vergangenheit und auf den einzigen Standard, der viele Marktbereinigungen der letzten drei Jahrzehnte überstanden hat.
«KNX ist für Hager einerseits Innovationstreiber und somit zukunftsgerichtet. Andererseits zeigt uns KNX rückblickend auch den Wert eines solchen langlebigen und weltweiten Standards, was für unsere Branche von zentraler Bedeutung ist.»
Der Friedhof der Bussysteme
Erinnern Sie sich noch an LON? Das Local Operating Network galt in den 1990er-Jahren als vielversprechende Alternative zu KNX, besonders im Zweckbau. Heute fristet es bestenfalls ein Nischendasein. Digitalstrom, einst als Schweizer Innovation gefeiert, die Signale über das bestehende Stromnetz überträgt? Nach der Insolvenz 2020 wurde das Unternehmen zwar wiederbelebt, doch von einer breiten Marktdurchdringung kann keine Rede mehr sein. Zeptrion ist eingestellt, Adhoco, das innovative Startup mit seinem kabellosen Ansatz, ist vom Markt verschwunden.
«Dank KNX finde ich den Taster mit meinem Wunschdesign, da ich aus einem riesigen Portfolio verschiedener Hersteller wählen kann. Auch den Aktor mit der passenden Funktion wird es geben. Zusätzlich garantiert mir KNX die Kompatibilität zwischen Komponenten verschiedener Hersteller.»
Die Liste lässt sich fortsetzen: Proprietäre Systeme einzelner Hersteller, die mit dem Rückzug des Anbieters zu Altlasten wurden. Installationen, die nicht mehr erweitert werden konnten, weil die Komponenten nicht mehr erhältlich waren. Bauherrschaften, die für viel Geld Systeme nachrüsten mussten, deren Lebenszyklus weit kürzer war als der des Gebäudes. Für die Elektrobranche bedeutete jedes dieser gescheiterten Systeme nicht nur technische Probleme, sondern auch einen Vertrauensverlust. Und jedes Mal die Frage: Hätte man auf einen offenen Standard setzen sollen?
Nicht perfekt, aber nachhaltig
Während andere Systeme kamen und gingen, blieb KNX. Nicht, weil der Standard perfekt wäre oder weil es an Alternativen gemangelt hätte. Sondern weil KNX von Anfang an auf zwei Prinzipien setzte, die sich langfristig als entscheidend erwiesen haben: herstellerübergreifende Offenheit und konsequente Rückwärtskompatibilität. KNX – damals noch EIB – hat die digitale Elektroinstallation erfunden. Ein (EIB) KNX-Taster aus dem Jahr 1995 funktioniert noch heute problemlos mit einem Aktor von 2025 und umgekehrt. Was banal klingt, ist in der Welt der Technologie alles andere als selbstverständlich. Diese Kontinuität gibt Planerinnen, Installateuren und Bauherrschaften eine Sicherheit, die kein «Als Schweizer Familienunternehmen liegt uns der Innovationsstandort Schweiz besonders am Herzen. Wir freuen uns, KNX weiter aktiv voranzutreiben – damit Gebäude effizienter, nachhaltiger und zukunftsfähiger werden.» Stefan Kienert, ZidaTech AG proprietäres System bieten kann. Dass heute über 500 Hersteller weltweit KNX-zertifizierte Produkte anbieten, ist kein Zufall. Der offene Standard ermöglicht echten Wettbewerb und gibt den Endkunden die Freiheit, Komponenten nach Qualität, Design und Preis zu wählen, ohne sich an einen einzigen Anbieter zu binden.
«Als Schweizer Familienunternehmen liegt uns der Innovationsstandort Schweiz besonders am Herzen. Wir freuen uns, KNX weiter aktiv voranzutreiben – damit Gebäude effizienter, nachhaltiger und zukunftsfähiger werden.»
Synergien von Industrie und Handwerk nutzen
Für die Elektrobranche ist KNX mehr als nur ein technischer Standard unter vielen. Es ist die einzige herstellerneutrale, weltweit normierte Technologie. Und die einzige, die sich durchgängig vermitteln lässt – von der Grundbildung bis zu den höheren Fachprüfungen mit Diplom. Diese Durchgängigkeit schafft ein einheitliches Verständnis über alle Berufsbilder hinweg und ermöglicht es der Branche, die gesamte Wertschöpfungskette der Gebäudeautomation abzubilden. Getragen wird die KNX-Idee von einer breiten Industrie mit Partnern, die Komponenten auch in der Schweiz produzieren und fertigen wie zum Beispiel ABB, Siemens, Feller, WAGO, Theben HTS oder ZidaTech. Gemeinsam können diese Industriepartner der Branche helfen, sich in Richtung Smart Building weiterzuentwickeln.
Kein Gespenst, sondern Realität
Mit der zunehmenden Vernetzung von Gebäuden rückt auch die Frage der Cybersicherheit in den Fokus. Die Grenzen zwischen Gebäudetechnik und IT-Infrastruktur verschwimmen, und damit wachsen auch die Anforderungen an die Sicherheit. Klaus Wächter von Siemens kennt sich hier aus: «Wer heute Gebäudeautomation plant, muss Cyberresilienz von Anfang an mitdenken.» Auch hier hat KNX früh reagiert: Mit KNX Secure steht eine Erweiterung zur Verfügung, die sowohl die Kommunikation auf dem Bus (KNX Data Secure) als auch die IPKommunikation (KNX IP Secure) verschlüsselt. Die Technik basiert auf AES-128-Verschlüsselung und erfüllt damit aktuelle Sicherheitsanforderungen. Andere Protokolle wie Modbus arbeiten nach wie vor ohne integrierte Verschlüsselung, und DALI als reines Beleuchtungsprotokoll kennt keine vergleichbaren Sicherheitsmechanismen. KNX Secure hingegen ist als integraler Bestandteil des Standards definiert. Für die Elektrobranche bedeutet das: Wer KNX beherrscht, kann auch im Bereich Cybersecurity kompetent agieren. Ein entscheidender Vorteil gegenüber Anbietern, die auf weniger sichere Systeme setzen. KNX Secure ist dabei vollständig rückwärtskompatibel. Bestehende Installationen können schrittweise um sichere Komponenten erweitert werden, ohne dass die gesamte Anlage ersetzt werden muss.
«Die Elektrobranche wird zum Schlüsselin der Energiebranche. Aus dem Installateur wird der digitale Systemspezialist, der die Systeme vernetzt und Zukunft ermöglicht.»
Ist Ihr Betrieb bereit für die Zukunft der Gebäudeautomation?
Energiesystem
Können Sie heute ein Gebäude mit PV, Batteriespeicher, Wärmepumpe und Ladestation als Gesamtsystem planen und umsetzen, inklusive intelligentem Energiemanagement? Oder installieren Sie noch Einzelkomponenten nebeneinander?
Weiterbildung
Bilden Sie Lernende im Bereich Gebäudeinformatik aus? Investieren Sie in KNX-Zertifizierungen und IT-Schulungen für Ihr Team? Oder hoffen Sie, dass das Thema wieder verschwindet?
Vernetzung
Beherrschen Sie KNX, IP-Netzwerke und ihre Integration? Können Sie ein Gebäude ans Internet anbinden, ohne ein Sicherheitsrisiko zu schaffen? Oder endet Ihre Arbeit an der Steckdose?
Wille
Sehen Sie Gebäudeautomation als Chance oder als lästige Zusatzaufgabe? Wollen Sie in diesem Markt führend sein – oder überlassen Sie ihn anderen?
Offen bleiben für Neues
Natürlich gibt es weiterhin andere Protokolle. Modbus hat seine Berechtigung in der Industrieautomation und als Schnittstelle zu Geräten wie Wärmepumpen oder Wechselrichtern. DALI bleibt der Standard für professionelle Lichtsteuerung und lässt sich über Gateways – wie Modbus übrigens auch – hervorragend in KNX-Systeme integrieren. EnOcean liefert mit seiner batterielosen Funktechnologie interessante Ergänzungen für Nachrüstungen. Doch keines dieser Systeme bietet die gleiche Breite wie KNX. Keines verfügt über ein vergleichbares Ökosystem an Herstellern, Produkten und Fachleuten. Und keines kann auf eine ähnlich lange Geschichte konsequenter Weiterentwicklung bei gleichzeitiger Rückwärtskompatibilität verweisen. Die Matter-Initiative, getrieben von US-Tech-Giganten wie Apple, Google und Amazon, zielt primär auf den Consumer-Markt. Für die professionelle Gebäudeautomation mit ihren Anforderungen an Zuverlässigkeit, Skalierbarkeit und Langlebigkeit bleibt KNX jedoch die erste Wahl. Und wen wunderts, auch zu Matter gibt es bereits Schnittstellen und Gateways, zum Beispiel von Hager oder Atios. KNX matters. Mehrwert durch Grösse Fassen wir es nochmals kurz zusammen: Für die Elektrobranche ist KNX mehr als nur eine technische Option. Es ist eine Technologie, die von allen namhaften Industriepartnern aus der Elektrobranche in der Schweiz, in Europa, ja sogar in der Welt getragen wird. Auch von den Grosshändlern wie Elektromaterial, Sonepar, Otto Fischer AG und Saesseli. KNX ist die herstellerneutrale Tür der Elektrobranche in Richtung Gebäudeinformatik, IoT und Netzwerktechnik. Wer sie nicht öffnet, wird zusehen, wie andere Player die Lücke füllen, und wird, ausgeschlossen aus der weiteren technischen Entwicklung, seinen Nokia-Moment erleben. Die Geschichte der Gebäudeautomation zeigt: Offene Standards überleben in der Regel proprietäre Systeme. Ein System, das drei Jahrzehnte Marktwandel, Technologiesprünge und Firmenpleiten gesehen hat, wird auch die nächsten drei Jahrzehnte von solchen Entwicklungen unberührt bleiben. Die Frage ist nur, ob die Schweizer Elektrobranche geschlossen dabei ist oder ob sie das Feld anderen überlässt. Wer auf proprietäre Systeme setzt, macht sich abhängig. Ein Bewusstsein, das angesichts der Abhängigkeiten von US-Tech gerade in der IT-Welt erwacht. Und wer auf gar kein System setzt, überlässt anderen das Feld. Es wird Zeit, dass Industrie und Handwerk enger zusammenarbeiten, um den Markt für die smarten Gebäude nachhaltiger zu entwickeln. Denn hier spielt das Leben. Hier wird gearbeitet. Hier wird ein grosser Beitrag an die Energiewende geleistet. Die Potenziale können jetzt ausgeschöpft werden.
«Vernetzte Gebäude brauchen mehr als Funktionalität. KNX vereint Interoperabilität und Sicherheit – genau deshalb arbeiten wir aktiv an diesem Standard mit.»
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