Leiterfarben
Kaum ein Element von Elektroinstallationen erscheint so banal und ist gleichzeitig so bedeutsam wie die Farbgebung der Leiterisolationen. Verwechslungen können gravierende Folgen haben. Klare Kennzeichnung sorgen für Ordnung und Sicherheit.
Redaktionelle Bearbeitung: eTrends
Die Kennzeichnung von Leitern erfolgt durch Farben, Zahlen oder Buchstaben. Jeder Leiter muss an jedem Anschluss eindeutig identifizierbar sein. Welche Farben für welche Funktionen zu verwenden sind, regelt die SN EN IEC 60445, deren Bestimmungen auch in die NIN aufgenommen wurden. Der Titel dieser Norm lautet “Basic and safety principles for man-machine interface, marking and identification - Identification of equipment terminals, conductor terminations and conductors”, auf Deutsch “Grund- und Sicherheitsregeln für die Mensch-Maschine-Schnittstelle - Kennzeichnung von Anschlüssen elektrischer Betriebsmittel, angeschlossenen Leiterenden und Leitern». Der Titel mag auf den ersten Blick etwas sperrig wirken. Er macht aber eine klare Aussage: Die Leiterkennzeichnung ist ein wichtiges Element jeder «Mensch-Maschine-Schnittstelle». Die verwendeten Farben und Symbole sollen eine einfache und konsistente Interaktion mit der «Maschine» Elektroinstallation ermöglichen. Die SN EN IEC 60445 ersetzte 2017 die SN EN IEC 60446, was mit einer Erweiterung der Farbpalette einherging. Die aktuelle Version der Norm stammt aus dem Jahr 2021und definiert Farben und alphanumerische Benennungen zur Kennzeichnung von Aussenleitern, Neutral-, Schutz- und PEN-Leitern, der in der NIN 2025 neu eingeführten PEL- und PEM-Leiter sowie für Schutzpotenzialausgleichsleiter und Funktionserdungsleiter.
Zu beachten ist, dass die SN EN IEC 60445 eine sogenannte Sicherheitsgrundnorm ist, die in erster Linie für die Anwendung durch Technische Komitees bei der Ausarbeitung von Normen vorgesehen ist. Es liegt in der Verantwortung der Technischen Komitees, wann immer möglich, bei der Erarbeitung der in den eigenen Arbeitsbereich fallenden Normen, die Anforderungen der Sicherheitsgrundnormen zu übernehmen. Infolgedessen gelten die Anforderungen der SN EN 60445 nur, wenn sie in diesen Normen enthalten oder zitiert sind.
Interessant ist hierbei, dass für die drei Aussenleiter keine fixe Zuordnung von Farben vorgegeben wird, sondern eine beschränkte variable Zuordnung der Farben zulässig ist, die in der Tabelle in englischer alphabethischer Reihenfolge aufgelistet sind (black, brown, grey). Eine bevorzugte Phasenfolge oder Drehrichtung wird damit nicht angegeben.
Was sagt die NIN?
Leitungen müssen so bezeichnet werden, dass sie bei Überprüfungen, Reparaturen oder Änderungen eindeutig identifiziert werden können. Insbesondere gilt dies für Potenzialausgleichsleiter, Schutzleiter, PEN-Leiter und Neutralleiter. Neutralleiter und Schutzleiter müssen zudem über ihre ganze Länge farblich wie in Bild 1 dargestellt gekennzeichnet sein.
Um eine Verwechslung mit dem grün-gelben Schutzleiter auszuschliessen, bei dem das Verhältnis der Farbanteile maximal 70 % zu 30 % betragen darf, dürfen die Einzelfarben Grün und Gelb nicht anderweitig verwendet werden. Auch die Verwendung der Farbe Blau hat exakt den Vorgaben entsprechend zu erfolgen.
Für die Kennzeichnung von Lampendrähten und dergleichen steht eine breite Auswahl von Leiterfarben zur Verfügung. Vorschriften für die Wahl der Farben gibt es neben den oben erwähnten keine. Es empfiehlt sich jedoch, ähnliche Farben für ähnliche Zwecke zu verwenden und einen konsistenten Stil für die gesamte Installation einzuhalten. So verwendet man vorzugsweise für einen roten Lampendraht rosa korrespondierende, oder wählt für Storen-auf eine helle, für Storen-ab eine dunkle Farbe.
Leiter in Kabeln
Leiter in AC-Kabeln werden in der Schweiz gemäss HD 308 S2 gekennzeichnet. Es kann vorkommen, dass gewisse Farbkombinationen noch nicht bei allen Herstellern verfügbar sind. Dies betrifft insbesondere Kabel mit roten und weissen Leitern für DC-Installationen.
Bis zur Etablierung von Produkten mit den neuen Farben Rot und Weiss können weiterhin die Farben Rot und Dunkelblau für DC-Anlagen verwendet werden. Dies ist eine Übergangslösung, sofern keine Verwechslungsgefahr mit dem Neutral- oder Mittelpunktleiter besteht.
Falls eine Kennzeichnung mit Buchstaben und/oder Ziffern erfolgt, müssen lateinische Grossbuchstaben und arabische Ziffern verwendet werden. Es wird empfohlen, für Gleichstromelemente Buchstaben aus der ersten Hälfte und für Wechselstromelemente Buchstaben aus der zweiten Hälfte des Alphabets (ab N) zu wählen. Wichtig: Um Verwechslungen mit den Ziffern «1» und «0» zu vermeiden, dürfen die Buchstaben «L» und «O» nicht zur Kennzeichnung verwendet werden. Die Symbole «+» und «–» sind hingegen zulässig. Um Verwechslungen zu vermeiden, müssen die Ziffern «6» und «9» unterstrichen dargestellt werden, wenn sie für sich allein stehen. Die Kennzeichnungen durch alphanumerische Zeichen müssen eindeutig unterscheidbar und dauerhaft sein.
Bei Installationskabeln mit zwei bis fünf Adern sind gemäss HD 308 S2 die Adern auf ihrer ganzen Länge mit den folgenden Farben gekennzeichnet: Braun, Schwarz und Grau für die Aussenleiter, Blau für den Neutralleiter, Grün-Gelb für den Schutzleiter.
Bei Kabeln mit numerisch gekennzeichneten Adern ist die Ader mit der tiefsten Nummer als Neutralleiter zu wählen und an den Enden blau zu kennzeichnen. Ein numerisch gekennzeichneter Leiter darf nicht als Schutzleiter verwendet werden.
In der Schweiz werden in Kabeln mit vier oder fünf Adern in der Regel die Farben Braun, Schwarz und Grau für die Kennzeichnung der Aussenleiter verwendet. Ebenfalls ist es üblich, dass die genannte Reihenfolge auch die Phasenfolge bzw. Drehrichtung vorgibt.
Die Anwendung dieser Farben sowie die übliche Phasenfolge haben sich etabliert, tragen wesentlich zur guten Erkennbarkeit bei und gewährleisten dadurch sowohl Sicherheit wie auch Übersichtlichkeit.
Es ist ebenfalls zulässig, nur eine Farbe für alle drei Aussenleiter zu verwenden und die eindeutige Kennzeichnung durch nummerische Benennung zu gewährleisten. Diese Identifizierung wird häufig in der Industrie, z.B. für den Anschluss von Motoren angewendet. In der Regel unterliegen solche Anlagen der Normenreihe SN EN 60204, welche ebenfalls eine Identifizierung der Leiter durch Zahlen, Alphanumerik, Farbe oder einer Kombination davon zulässt.
Einadrige Kabel und Leitungen und Aderleitungen, die nach ihren Betriebsmittelnormen nicht in den entsprechenden Farben erhältlich sind, z. B. bei Querschnitten über 25 mm2, dürfen einfarbig verlegt werden. Schutz-, PEN- und Neutralleiter müssen mit den entsprechenden Farben gekennzeichnet werden. Die Verwendung einer Farbe (Braun, Schwarz oder Grau) für alle Aussenleiter eines Stromkreises ist zulässig.
Alte und neue Farben
Die Verwendung von Aderfarben wurde in den vergangenen Jahrzehnten mehrmals geändert. Deshalb geben die vorhandenen Leiterfarben wichtige Hinweise auf das Alter von Installationen. Die vorhandenen Farben können jedoch auch für Verwirrung sorgen, insbesondere dann, wenn in einer Installation plötzlich blaue Aussenleiter auftauchen.
Beim Zusammentreffen von alten und neuen Leitungen ist den Bezeichnungen besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Und bei der Erweiterung von bestehenden Installationen, in welchen gelbe Neutralleiter vorkommen, muss die Kennzeichnung derart erfolgen, dass die Funktion der Leiter unmissverständlich erkennbar ist. Dies wird dadurch erreicht, dass der neue blaue Neutralleiter an der Anschlussstelle gelb markiert wird. PEN-Leiter sind grün-gelb mit blauer Markierung und werden so an bestehende gelbe PEN-Leiter angeschlossen.
Fazit
Eine normgerechte Leiterkennzeichnung ist eine wichtige Voraussetzung für den sicheren Betrieb und eine sichere Instandhaltung und Erweiterung elektrischer Anlagen. Sie schafft Klarheit in der Zuordnung, erleichtert Messungen und verhindert falsche Anschlüsse. Wer die Vorgaben der NIN konsequent umsetzt, stellt sicher, dass Installationen auch Jahre später eindeutig lesbar sind, unabhängig davon, wer sie prüft oder Veränderungen vornimmt. Gerade beim Zusammentreffen von alten und neuen Farbzuordnungen ist eine erhöhte Aufmerksamkeit und Sorgfalt unerlässlich. Regelkonforme und auf eine eindeutige Lesbarkeit angelegte Kennzeichnungen sind ein wesentliches Element der technischen Sicherheit und der Qualität von Elektroinstallationen.
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