«Es geht eine Ära zu Ende – auch mein Berufsleben.» Peter Schmid, Leiter des AMAG New Mobility Hubs, blickt im Interview auf viereinhalb Jahre Pionierarbeit für die Elektromobilität zurück.
Autor/Interview: René Senn
Der Showroom wurde 2021 eröffnet – und verkaufte kein einziges Auto direkt. Was nach einem gescheiterten Geschäftsmodell klingt, war jedoch von Anfang an so geplant: Mit «the square – new mobility hub» schuf die AMAG im Circle am Flughafen Zürich einen Ort, an dem Elektromobilität erlebbar wurde, ohne Verkaufsdruck, ohne Abschlusszwang. Ein Kompetenz- und Beratungszentrum auf über 600 Quadratmetern, das Fragen beantwortete, Mythen entkräftete und Probefahrten ermöglichte. Es ging um das gesamte Ökosystem: Welche Ladeinfrastruktur brauche ich zu Hause? Wie lange dauert das Laden unterwegs? Wie sieht ein Stecker aus, welches Kabel brauche ich, wie «tanke» ich ein Elektroauto? Themen, für die im klassischen Autohaus oft keine Zeit blieb.
Damals, 2021, lagen die Neuzulassungen für reine Elektrofahrzeuge bei 32 033 Exemplaren (Marktanteil 13,4 %). 2025 waren es 53 462 (Marktanteil 22,9 %) – die Elektromobilität hat sich etabliert.
Ein Ort zum Anfassen
Die Pionierleistung und der Mut, eine solche Location zu betreiben, um die Elektromobilität einem breiten Publikum näherzubringen, verdienen Anerkennung. Ich erinnere mich noch gut an einen Neujahrsapéro, den wir dort abhalten durften – damals war das Thema E-Mobilität noch längst nicht so verankert wie heute. Die Skepsis war gross, die Fragen zahlreich, die Vorbehalte hartnäckig.
Die Bilanz nach viereinhalb Jahren: Über 125 000 Besucherinnen und Besucher waren im «the square», 3150 Probefahrten wurden unternommen, 600 Business-Events fanden statt. Google-Rezensionen zeigen 4,9 von 5 Sternen.
Am 31. Dezember 2025 schloss der Hub planmässig seine Türen. Die Elektromobilität ist im Alltag angekommen – Mission erfüllt. Peter Schmid hat den New Mobility Hub von Anfang an geleitet. Im Gespräch mit uns blickt er auf viereinhalb Jahre Pionierarbeit zurück.
Peter Schmid, Ende Jahr schloss «the square». Was ging dir durch den Kopf?
Es geht eine sehr spannende Ära zu Ende und damit auch mein Berufsleben. Die coole Location hat ihren Zweck erfüllt, und die Zeit ist jetzt gekommen, dieses Kapitel zu beenden. Die Elektromobilität ist in der breiten Öffentlichkeit angekommen, viele Vorbehalte sind verschwunden, wir sind sehr weit gekommen.
Was waren vor fünf Jahren die häufigsten Fragen?
Die meistgestellte Frage war jene nach der Reichweite. Dicht gefolgt von: «Ist das überhaupt umweltfreundlich?» Wir haben unzählige Probefahrten gemacht und den Leuten auch gezeigt, wie die HPC-Schnelllader funktionieren. All diese Mythen über Reichweite und Ladeprobleme habe ich in meinen Referaten wahrscheinlich 100 000-mal entkräftet.
Und welche Fragen sind es heute – hat sich da etwas verändert?
Die Reichweite ist immer noch ein Thema, aber das Basiswissen ist heute deutlich besser als damals, dank den Medien und Erfahrungen im Bekanntenkreis. Die Mehrheit der Besucher ist inzwischen schon mal elektrisch gefahren. Eigentlich wäre die Ladegeschwindigkeit viel wichtiger oder die Frage: Wie viel Reichweite brauche ich effektiv, und wie viel für die maximal zwei längeren Fahrten pro Jahr? Die Auseinandersetzung mit diesen Themen ist heute näher, konkreter. Die absoluten Hardcore-Skeptiker sind seltener geworden.
Was hat dich in den vier Jahren am meisten überrascht?
Die ältere Generation ist oft offener als die Jungen. Das ist absolut verblüffend. Die ersten Käufer waren häufig ältere, technologieaffine Menschen, die sagten: «Das will ich mal ausprobieren.» Die Jüngeren hingegen suchen manchmal regelrecht nach Argumenten gegen die Technologie. Da kommen Umweltthemen gerade recht, die seltenen Erden, der Strom und vieles mehr. Das war dann unser Metier: sachlich aufklären ohne zu bekehren und die Vor- und Nachteile gegeneinander abwägen. Wobei, am Rande erwähnt: Eigentlich gibt es keine vernünftigen Gründe, die gegen die Elektromobilität sprechen.
«Nicht Autos verkaufen, sondern sachlich aufklären und begeistern, war unser Metier.»
Der Hub hat sich über die Jahre weiterentwickelt. Was kam dazu?
Mit der Übernahme von Helion durch die AMAG kam das ganze «Helion- Haus» dazu: Photovoltaik, Wärmepumpen, Batteriespeicher, Abrechnungssysteme, aktuell bidirektionales Laden. Zuletzt war der Hub ein grösseres Ökosystem, das weit über die Elektromobilität hinausgeht und in das die AMAG gut eingebunden ist.
Und ihr habt ganz unverbindlich Probefahrten angeboten?
Ja, dies war schon von Beginn weg unser Plan. Es gibt kein überzeugenderes Argument für ein E-Fahrzeug als dessen Fahrdynamik. Die Besuchenden sollten sie «erfahren» können. Und so hat sich dieser Bereich stetig weiterentwickelt, und wir haben ihn an die Bedürfnisse der Kundschaft angepasst.
Wir haben viel gelernt im Austausch mit dem Publikum: So haben wir die eRallyes in den Schwarzwald eingeführt im letzten Jahr. Allein 2025 wurden acht davon durchgeführt. Und wir haben Langzeitprobefahrten angeboten: eine ganze Woche das E-Fahrzeug im eigenen Alltag erleben. Das war ein sehr begehrtes Angebot, denn besser kann man ja die Elektromobilität nicht in seinen Alltag einbauen.
Kein Verkaufsdruck – war das ein Vorteil?
Absolut. Da wir keine Autos verkauften, war es für die Leute viel einfacher, uns zu besuchen. Sie wollten sich unabhängig informieren, ohne gleich in ein Verkaufsgespräch verwickelt zu werden. Der Fokus lag auf der Information, nicht auf der Zeit und dem Abschluss. Und es hat funktioniert: 4,9 Sterne auf Google sprechen für sich. Es war auch eine grosse Passion des ganzen Teams, die Leute beim Entdecken der Elektromobilität kompetent zu begleiten.
Ist die Elektromobilität in der Schweiz angekommen?
Noch nicht ganz. Es gibt nach wie vor Stolpersteine. Zu Hause laden ist wichtig – aber das ist gleichzeitig der Hemmschuh für alle, die diese Möglichkeit nicht haben. Nur mit Public Charging ist es deutlich aufwändiger, ein Elektroauto zu betreiben. Und bei der Schnellladeinfrastruktur gibt es noch Dinge, die nicht so sind, wie sie sein sollten, zum Beispiel funktioniert die Infrastruktur mal nicht, das passiert bei Tankstellen kaum. Auch die Restwertentwicklung der E-Fahrzeuge ist im Moment noch unvorteilhaft.
the square – new mobility hub by AMAG
Eröffnung: 9. Juli 2021
Schliessung: 31. Dezember 2025
Standort: The Circle, Flughafen Zürich
Fläche: über 600 m²
Besuchende: über 125 000
Probefahrten: 3150
Business-Events: 600
Wäre die Elektromobilität heute auch ohne «the square» so weit?
Wir haben sicher einen Teil zum Erfolg beigetragen, davon bin ich überzeugt. Dazu gehörten auch viele interne Schulungen für das AMAG-Händlernetz, das ebenfalls für die Themen und Fragen der Elektromobilität fit gemacht werden musste. So konnte bei AMAG die Kompetenz skaliert werden.
Ihr habt im Hub die AMAG Marken gezeigt?
Ja, der Fokus lag auf Audi, Škoda, Cupra und VW mit all ihren elektrischen Fahrzeugen. Der Hub diente somit auch als Visitenkarte gegenüber den Werken: Hey, wir haben hier in der Schweiz einen exklusiven Showroom an einem ikonischen Ort, der zeigt, dass die innovative Schweiz etwas tut für den neuen Markt.
Welche Fahrzeuge hast du in guter Erinnerung?
Oh, dazu möchte ich eigentlich nicht viel sagen, weil jedes Fahrzeug ja seine spezifische Käuferschicht hat, die es erreichen möchte. Wähle ich das Auto, das zu meinem Mobilitätskonzept passt, habe ich vieles richtig gemacht. In guter Erinnerung habe ich aber die Concept Cars wie ID. Polo, Cupra Raval oder den Škoda Vision S, die wir exklusiv in Zusammenarbeit mit den Werken ausstellen konnten. Sie haben uns viele Besucherinnen und Besucher beschert.
Und jetzt? Mission erfüllt?
Ja, per Ende Dezember 2025 haben wir unsere Tore im Circle am Flughafen Zürich für immer geschlossen. Wir sind happy, dass wir das Privileg hatten, diesen tollen Job auszuführen, um den Kundinnen und Kunden die Elektromobilität näherzubringen. Und für mich tut sich eine neue Tür auf. Ich gehe per Ende Februar in den Ruhestand, und dort wartet noch die eine oder andere Mission auf mich.
Herzlichen Dank für das Interview Peter!
Impressum
Text: René Senn
Bildquelle: zVg
Informationen
Veröffentlicht am:

