Mila Polla hilft Installateurinnen und Planern, die besten Produkte für Projekte zu finden und ist dabei offen für verschiedene Lösungen. Sie ist Fachberaterin für PV, Energiespeicher und E-Mobilität bei der Elektro-Material AG. Im Gespräch mit eTrends berichtet sie, dass es das eine richtige Produkt meistens nicht gibt.
TEXT: RENÉ SENN, FOTOS: MICHAEL DONADEL
Mein Start in die Branche
Für mich war immer klar, dass ich einen technischen Beruf lernen will. Ursprünglich dachte ich, dass ich Automechanikerin werde, denn Autos faszinieren mich schon lange. Ich machte aber auch eine Schnupperlehre als Elektroplanerin und merkte schnell, dass ich diese Ausbildung angehen möchte.
Unterschätzt als Frau?
Es kommt immer noch vor, dass man als Frau in der Branche unterschätzt wird und sich besonders beweisen muss. Das kann dazu führen, dass man doppelt so viel leisten muss, um akzeptiert zu werden. Es ist aber besser geworden, und ich mache viele positive Erfahrungen. Dennoch wünsche ich mir: Fachkompetenz soll unabhängig vom Geschlecht beurteilt werden. Es sollte normal sein, dass eine Frau in dieser Branche tätig ist und ihren Job macht.
«Im Aussendienst zu arbeiten, sei ein ‹Schoggi-Job›. Das ist ein Klischee, das ich gerne aus der Welt schaffen würde.»
Weiterentwicklung durch Feedback
Damit sich die Hersteller und auch wir uns verbessern können, ist Feedback sehr wichtig. Ich habe schon öfter erlebt, dass Produkte auf Grundlage der Rückmeldung der Monteure angepasst wurden. Ihre Erfahrungen werden sehr ernst genommen und sind besonders wertvoll.
Zuhause in der Branche
Mich begeistert am meisten, wenn ich den Kunden vor Ort Lösungen aufzeigen kann und sie gleich den Mehrwert und das Potenzial darin erkennen. Den Kunden zu unterstützen und dann die positive Reaktion zu sehen, macht Freude und gibt mir Motivation, meinen Job immer noch ein bisschen besser zu machen.
Der Aussendienstmythos
Im Aussendienst zu arbeiten, sei ein «Schoggi-Job». Das ist ein Klischee, das ich gerne aus der Welt schaffen würde. Wer im Aussendienst arbeitet, weiss: Wir sind ständig unterwegs und müssen immer erreichbar sein für unsere Kundschaft. Es ist definitiv ein sehr fordernder Job. Im Aussendienst bin ich die erste Ansprechperson für die Kundinnen und Kunden. Probleme fallen deshalb auch zuerst auf mich. Das kann, um ehrlich zu sein, auch manchmal frustrierend sein. Aber genau dann will ich für die Kunden da sein.
«Die eine richtige Lösung gibt es meistens nicht.»
Die Rolle im Aussendienst
Ich berate Installateure, Planerinnen und Industriekunden zu Photovoltaik, Ladeinfrastruktur und Energiespeicher. Im Kern geht es darum, das passende Produkt oder System zu finden, technische Fragen zu klären und Lösungen mit einem Mehrwert aufzuzeigen. In meinem Job geht es nicht darum, irgendein Produkt zu verkaufen, sondern die bestmögliche Lösung für ein spezifisches Projekt und die Kundschaft zu finden.
Mein Rat an jüngere Kolleginnen
Meinen jüngeren Kolleginnen in der Branche würde ich mitgeben: Steht für euch ein und lasst euch nicht alles gefallen. Glaubt vor allem an eure Fähigkeiten und euer Fachwissen. Meinem jüngeren Ich würde ich raten: Hör auf dein Bauchgefühl und trau dir mehr zu. Du weisst meistens mehr als du denkst!
Welches ist das beste Produkt?
Die am häufigsten gestellte Frage von Kunden lautet: Welches ist das beste Produkt? Meine Antwort ist: Das beste Produkt gibt es nicht, es gibt nur das passende Produkt für das jeweilige Projekt. Unterschiedliche Produkte haben verschiedene Vor- und Nachteile. Ich sehe es als meine Aufgabe an, die Kundinnen und Kunden umfassend zu informieren, damit sie eigenständig die bestmögliche Entscheidung für ihren Anwendungsfall treffen können.
Mobile Energiekoordinatorin
Hätte meine Arbeit noch keinen Namen, würde ich sie «Mobile Energiekoordinatorin» nennen. Ich bin ständig mit dem Auto unterwegs und arbeite direkt an der Schnittstelle zwischen den Herstellern und Installateuren. Das Schöne dabei ist, dass es immer um irgendeine Form von Energie geht.
«Du weisst meistens mehr, als du denkst.»
Mila Polla
Grundbildung
Elektroplanerin EFZ
Plan BEE AG, 2010–2014
Aktuelle Tätigkeit
Fachberaterin Photovoltaik & E-Mobility im Aussendienst
60 % bei Kunden/Baustelle, 40 % Büro
Das gefällt ihr besonders am Beruf
die Vielfalt der Projekte, der Kontakt mit Menschen, neue Herausforderungen und das Finden individueller Lösungen
Projekte
Mila begleitet Projekte in den Bereichen Photovoltaik, Energiespeicher und E-Mobility in allen Grössenordnungen
Beruflich steht sie für
lösungsorientierte Beratung, Verlässlichkeit und Qualität
Unendliche Produktevielfalt
Es ist immer wieder eine Herausforderung, alle verfügbaren Produkte am Markt zu kennen, was angesichts der Vielfalt aber praktisch unmöglich ist. Ich besuche regelmässig Schulungen und pflege einen stetigen Austausch mit den Herstellern und Lieferanten. Das Ziel ist es, möglichst viel Produktwissen zu haben, damit ich den Kundinnen und Kunden so schnell wie möglich eine gute Lösung aufzeigen kann.
Blick in die Zukunft
Das grösste Potenzial in absehbarer Zukunft sehe ich in Energiespeichern und intelligenten Energiemanagementsystemen. Sie verbinden PV, Speicher, Ladeinfrastruktur und weitere Verbraucher und regeln das äusserst intelligent. Als Resultat haben wir einen optimierten Eigenverbrauch und können das Netz mit Peak-Shaving entlasten. Diese Entwicklung sehe ich als besondere Chance für die Installateurinnen und Planer in der Branche.
Impressum
Text: René Senn
Bilder: Michael Donadel
Informationen
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