In der zweiten Episode der Staffel 2026 von «Wir sind Zukunft» treffen wir Nicole Kalberer, Inhaberin und Geschäftsführerin von Wurzel 3, einem Unternehmen für Elektroplanung. Die 31-Jährige aus Malans GR hat als erste Frau in der Schweiz die Berufsprüfung zur Elektroprojektleiterin (2019) und die Höhere Fachprüfung zur Elektroplanungsexpertin (2021) bestanden.


Text: René Senn
Fotos: Michael Donadel


Als erste Frau der Schweiz mit der Höheren Fachprüfung zur Elektroplanungsexpertin, als Gründerin von Wurzel 3 und als Lehrerin an der ibW weiss Nicole Kalberer: Gute Planung ist oft unsichtbar, aber sie entscheidet, wie nachhaltig und effizient ein Gebäude funktioniert.

Mein Start in die Branche

Die vierjährige Grundbildung von 2010 bis 2014 zur Elektroplanerin bei R+B Engineering AG in Malans war mein Einstieg in die Branche. Ich wusste jedoch schon früh, dass ich mich nach der Grundbildung weiterentwickeln will. Nach dem EFZ folgte die Berufsprüfung zur Elektroprojektleiterin, dann die Höhere Fachprüfung zur Elektroplanungsexpertin, zuletzt 2025 der MAS in Energiewirtschaft. Nicht weil jemand das von mir verlangt hätte. Sondern weil ich der Typ bin, der Herausforderungen sucht.

Ausserdem wurde mir nach jeder Weiterbildung klar: Es gibt noch mehr zu verstehen.

Ein Moment hat mich damals besonders geprägt: Kurz nach meinem Lehrabschluss kam ein Geschäftsführer aus einem anderen Betrieb auf mich zu und sagte, er gratuliere mir – aber die Branche sei «für Frauen nicht gemacht». Diese Aussage hat etwas mit mir gemacht. Ich habe mir ernsthaft Gedanken gemacht und dann eine Grundsatzentscheidung gefällt: Ich gehe nicht. Ich mache erst recht weiter. Diese Entscheidung habe ich nie bereut.

In der zweiten Episode der Staffel 2026 von «Wir sind Zukunft» treffen wir Nicole Kalberer, Inhaberin und Geschäftsführerin von Wurzel 3, einem Unternehmen für Elektroplanung. Die 31-Jährige aus Malans GR hat als erste Frau in der Schweiz die Berufsprüfung zur Elektroprojektleiterin (2019) und die Höhere Fachprüfung zur Elektroplanungsexpertin (2021) bestanden.


Text: René Senn
Fotos: Michael Donadel


Als erste Frau der Schweiz mit der Höheren Fachprüfung zur Elektroplanungsexpertin, als Gründerin von Wurzel 3 und als Lehrerin an der ibW weiss Nicole Kalberer: Gute Planung ist oft unsichtbar, aber sie entscheidet, wie nachhaltig und effizient ein Gebäude funktioniert.

Mein Start in die Branche

Die vierjährige Grundbildung von 2010 bis 2014 zur Elektroplanerin bei R+B Engineering AG in Malans war mein Einstieg in die Branche. Ich wusste jedoch schon früh, dass ich mich nach der Grundbildung weiterentwickeln will. Nach dem EFZ folgte die Berufsprüfung zur Elektroprojektleiterin, dann die Höhere Fachprüfung zur Elektroplanungsexpertin, zuletzt 2025 der MAS in Energiewirtschaft. Nicht weil jemand das von mir verlangt hätte. Sondern weil ich der Typ bin, der Herausforderungen sucht.

Ausserdem wurde mir nach jeder Weiterbildung klar: Es gibt noch mehr zu verstehen.

Ein Moment hat mich damals besonders geprägt: Kurz nach meinem Lehrabschluss kam ein Geschäftsführer aus einem anderen Betrieb auf mich zu und sagte, er gratuliere mir – aber die Branche sei «für Frauen nicht gemacht». Diese Aussage hat etwas mit mir gemacht. Ich habe mir ernsthaft Gedanken gemacht und dann eine Grundsatzentscheidung gefällt: Ich gehe nicht. Ich mache erst recht weiter. Diese Entscheidung habe ich nie bereut.

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Zur Person und Ausbildung von Nicole Kalberer

Grundbildung
Elektroplanerin EFZ, R+B engineering ag, 2010–2014

Aktuelle Tätigkeit

  • Inhaberin & Geschäftsführerin Wurzel 3 (100 % Eigenunternehmen: ca. 80 % Büro/Planung, Rest Besprechungen & Baustellen)
  • 1 Tag/Woche ibW als Zusatzpensum

Weiterbildungen

  • Berufsprüfung Elektroprojektleiterin 2019
  • Höhere Fachprüfung Elektroplanungsexpertin 2021
  • MAS Energiewirtschaft 2025

Dozentin

  • ibW Höhere Fachschule Südostschweiz
  • ÜK Elektroplaner:in EFZ, IG Zeichner GR/GL/SG

Das fasziniert sie
«Gute Planung ist oft unsichtbar, aber sie entscheidet, wie nachhaltig und effizient ein Gebäude funktioniert.»

Beruflich steht sie für
Verlässlichkeit, Struktur, das Gegenteil von 0815

Wissen weitergeben, weil man es dann nicht vergisst

Einmal pro Woche unterrichte ich an der ibW Höhere Fachschule Südostschweiz sowie in den überbetrieblichen Kursen für Elektroplaner:innen EFZ. Zu unterrichten hilft mir, in den Themen zu bleiben. Ich weiss, was sich geändert hat, welche Normen aktuell sind, was die Praxis gerade fordert. Das hält mein Wissen aktuell. Und es erfüllt mich, wenn ich sehe, wie jemand etwas versteht, was vor dem Unterricht unklar war. Erfahrungen weiterzugeben, ist für mich bereichernd.


Meine Faszination für diesen Beruf

Was mich an der Elektroplanung fasziniert, ist die Verbindung aus technischer Tiefe und echter Wirkung. Der Beruf erfordert vielschichtige Kompetenzen. Er entwickelt sich stetig und bleibt spannend. Die Themen werden nicht einfacher. Photovoltaik, Ladeinfrastruktur für Elektroautos, Gebäudeautomation, Brandschutz, Licht und dessen Wirkung sowie Nachhaltigkeit: Das alles fliesst heute in eine Elektroplanung ein. Und genau das motiviert mich.

Selbstständig – weil ich es so will

Ich habe mich selbstständig gemacht, weil ich eine Herausforderung suchte. Die Antwort war mein eigenes Unternehmen für Elektroplanung, mit Projekten in der Region Graubünden und in Liechtenstein: die Firma Wurzel 3.

Der Vorteil der Selbstständigkeit: Ich kann mein Wissen so einsetzen, wie ich es für richtig halte. Mit den Methoden und Werkzeugen, hinter denen ich stehe. Selbstständigkeit birgt aber auch Risiken. Das unternehmerische Risiko: keine gesicherten Aufträge und keine garantierte Auslastung. Hinzu kommt das fachliche Risiko: Als Planerin trage ich Verantwortung für das, was ich plane. Ich sage mir deshalb immer: Nur wer die Risiken kennt, kann sich entsprechend verhalten.

Selbstständig – weil ich es so will

Ich habe mich selbstständig gemacht, weil ich eine Herausforderung suchte. Die Antwort war mein eigenes Unternehmen für Elektroplanung, mit Projekten in der Region Graubünden und in Liechtenstein: die Firma Wurzel 3.

Der Vorteil der Selbstständigkeit: Ich kann mein Wissen so einsetzen, wie ich es für richtig halte. Mit den Methoden und Werkzeugen, hinter denen ich stehe. Selbstständigkeit birgt aber auch Risiken. Das unternehmerische Risiko: keine gesicherten Aufträge und keine garantierte Auslastung. Hinzu kommt das fachliche Risiko: Als Planerin trage ich Verantwortung für das, was ich plane. Ich sage mir deshalb immer: Nur wer die Risiken kennt, kann sich entsprechend verhalten.

Erste Frau in der Schweiz und was das bedeutet

2019 habe ich die Berufsprüfung zur Elektroprojektleiterin bestanden. 2021 dann die Höhere Fachprüfung zur Elektroplanungsexpertin, dies sogar als erste Frau der Schweiz.

Als Frau in der Elektroplanung ist man automatisch auffällig. Das muss nicht zwingend ein Nachteil sein, es ist auch ein Wiedererkennungsmerkmal. Gleichzeitig merke ich, dass das, was ich mache, stärker hinterfragt wird. Nicht immer böswillig, dennoch systematisch. Wo ein Kollege eine Entscheidung trifft, muss ich sie manchmal zusätzlich begründen. Dieses Hinterfragen hat meine fachliche Stärke geschärft, zeigt aber auch, dass viele Türen für Frauen lange nicht offenstanden oder zumindest sehr hohe Schwellen hatten.

Auf Baustellen ist es zudem notwendig, klare Grenzen zu setzen. Die Umgangsformen sind nicht immer akzeptabel, und gerade am Anfang musste ich lernen, Nein zu sagen bei Sprüchen, anzüglichen Bemerkungen oder körperlicher Annäherung. Genauso wichtig wie das eigene Nein sind die Kolleginnen und Kollegen, die hinschauen. Das passiert noch zu wenig. Grenzen zu setzen, darf nicht allein an den Betroffenen hängen. Mit den Jahren wird man automatisch ernster genommen. Man gewinnt Erfahrung, man wird älter, man lässt sich weniger beirren. Aber es sollte nicht normal sein, dass das so lange dauert.

Blick in die Zukunft

Es reicht heute nicht mehr, nur Strom und Licht zu planen. Wärme, Mobilität, Gebäudeautomation, Informatik, Nachhaltigkeit: Die Schnittstellen werden mehr, und auch die Frage nach KI ist präsent. Aber ich bin überzeugt: Uns Planerinnen und Planer, Fachleute und Instruktoren braucht es auch in Zukunft. Besonders, wenn man fachliche, methodische und menschliche Kompetenz mitbringt.

Was ich mir für die Branche wünsche: ein echtes Miteinander. Planung und Ausführung, die Hand in Hand gehen, und Gewerke, die füreinander arbeiten. Technik ist kein Entweder-Oder – kein Entscheid zwischen Büro und Baustelle und keiner zwischen Mann und Frau.

Blick in die Zukunft

Es reicht heute nicht mehr, nur Strom und Licht zu planen. Wärme, Mobilität, Gebäudeautomation, Informatik, Nachhaltigkeit: Die Schnittstellen werden mehr, und auch die Frage nach KI ist präsent. Aber ich bin überzeugt: Uns Planerinnen und Planer, Fachleute und Instruktoren braucht es auch in Zukunft. Besonders, wenn man fachliche, methodische und menschliche Kompetenz mitbringt.

Was ich mir für die Branche wünsche: ein echtes Miteinander. Planung und Ausführung, die Hand in Hand gehen, und Gewerke, die füreinander arbeiten. Technik ist kein Entweder-Oder – kein Entscheid zwischen Büro und Baustelle und keiner zwischen Mann und Frau.

Meine Sicht auf die Elektrobranche

Wir Elektroplanerinnen und Elektroplaner arbeiten in allen Bereichen. Das erachte ich als ein Privileg. Das Berufsbild benötigt allerdings mehr Sichtbarkeit. Viele wissen schlicht nicht, was eine Elektroplanerin wirklich tut und wie gross das Spektrum ihrer Arbeit ist. Wenn man das besser aufzeigt, können wir auch mehr Frauen für diesen technischen Beruf begeistern. Nicht weil man sie überreden muss, sondern weil der Beruf für sie passt. Mein Rat an junge Frauen: Macht eine Schnupperlehre und lasst euch nicht von Vorurteilen abhalten, die euch vermittelt werden. Wenn es für euch passt, zieht es durch. Die Branche braucht euch.

Zuhause in der Branche

Ich bin Energie-Dolmetscherin. So würde ich meinen Beruf nennen, wenn er noch keinen Namen hätte. Ich übersetze komplexe elektrotechnische Zusammenhänge in eine Sprache, die Bauherrschaften verstehen. Ich mache Technik greifbar und zeige, welche Wirkung gute Planung hat, auch wenn man sie nicht sieht.

Inzwischen fühle ich mich sehr wohl, ob als Planerin, als Unternehmerin oder als Lehrerin. Das war nicht immer so. Als junge Frau musste ich mich erklären, musste beweisen, was ich kann. Das war oft ungemütlich und brauchte Zeit. Wenn du das machst, was du gerne machst, dann machst du es auch gut. Egal ob Frau oder Mann. Das klingt einfach. Aber es hat ein wenig gedauert, bis ich das wirklich so gefühlt habe. Die Entscheidung, nach dem Kommentar des Geschäftsführers nicht aufzuhören, bereue ich nicht, im Gegenteil.

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