- Grundbildung: Elektroinstallateurin EFZ, Abschluss 2019 bei Bouygues.
- Aktuelle Tätigkeit: 50 % Projektleiterin, 40 % Elektroinstallation, 10 % Lehrlingsbetreuung.
- Aktuelle Weiterbildung: Elektroprojektleiterin Installation und Sicherheit, im 4. Semester.
- Das gefällt ihr besonders: Mit Strom zu arbeiten, den man nicht sieht und nicht hört, den man aber trotzdem nutzbar machen kann.
In der ersten Episode der Staffel 2026 von «Wir sind Zukunft» treffen wir Selina Winzer, Elektroinstallateurin und angehende Elektro-Projektleiterin Installation und Sicherheit. Die 25-Jährige arbeitet bei der StWZ Energie AG in Zofingen als Projektleiterin/Elektroinstallateurin. Für unseren Austausch und den Videodreh hat sie den Kontrollraum des Wasserreservoirs Rebberg in Zofingen ausgewählt.
Text: Annette Jaccard und René Senn
Fotos: Michael Donadel
Mein Start in die Branche
Als ich 12 oder 13 war, besuchte ich am Zukunftstag meinen Vater, einen Wirtschaftsinformatiker, in seinem Büro. Es war zwar interessant, aber auch alles grau – das Pult, der Tisch, der PC; das hat mich abgeschreckt. Und weil ich schon immer sehr gerne gebastelt habe, war mir nach diesem Tag klar, dass ich einen handwerklichen Beruf lernen werde. Ich habe an verschiedenen Orten geschnuppert, mich bei der damaligen Alpiq beworben und dort die vierjährige Lehre als Elektroinstallateurin EFZ begonnen. Als Alpiq an Bouygues verkauft wurde, konnte ich die Lehre dort erfolgreich abschliessen.
In der ersten Episode der Staffel 2026 von «Wir sind Zukunft» treffen wir Selina Winzer, Elektroinstallateurin und angehende Elektro-Projektleiterin Installation und Sicherheit. Die 25-Jährige arbeitet bei der StWZ Energie AG in Zofingen als Projektleiterin/Elektroinstallateurin. Für unseren Austausch und den Videodreh hat sie den Kontrollraum des Wasserreservoirs Rebberg in Zofingen ausgewählt.
Text: Annette Jaccard und René Senn
Fotos: Michael Donadel
Mein Start in die Branche
Als ich 12 oder 13 war, besuchte ich am Zukunftstag meinen Vater, einen Wirtschaftsinformatiker, in seinem Büro. Es war zwar interessant, aber auch alles grau – das Pult, der Tisch, der PC; das hat mich abgeschreckt. Und weil ich schon immer sehr gerne gebastelt habe, war mir nach diesem Tag klar, dass ich einen handwerklichen Beruf lernen werde. Ich habe an verschiedenen Orten geschnuppert, mich bei der damaligen Alpiq beworben und dort die vierjährige Lehre als Elektroinstallateurin EFZ begonnen. Als Alpiq an Bouygues verkauft wurde, konnte ich die Lehre dort erfolgreich abschliessen.
Zur Person und Ausbildung von Selina Winzer
Frauen in der Branche
Leider gibt es im Baustellenalltag immer noch Situationen, in denen Frauen respektlos behandelt oder belästigt werden. Sei es durch dumme Sprüche, anzügliche oder abwertende Bemerkungen oder sogar körperliche Übergriffe. Das passiert häufiger, als viele denken. Ein Umstand, der für mich unbegreiflich ist. Und noch weniger das Wegschauen, auch in den Firmen, gerade jenen, die schon Frauen eingestellt haben oder dies tun wollen. Für mich und meine Kolleginnen ist klar, dass wir solche Belästigungen nicht einfach hinnehmen müssen. Es gibt Grenzen, die nicht überschritten werden dürfen. Deshalb ist es so wichtig, dass die Arbeitgeber hinter uns stehen. Dazu gehört zum Beispiel die Abmachung, die wir bei StWZ haben: Wir dürfen eine Situation verlassen, wenn im Kundenkontakt oder im Baustellenalltag die Grenzen überschritten werden. Ich wünsche mir auch, dass wir offener über die Belästigung von Frauen im Arbeitsalltag sprechen und dass es klare Regeln gibt. Kollegen und Kolleginnen sollten auch den Mut haben, übergriffigen Männern Grenzen zu setzen. Das passiert noch zu wenig.
Arbeitsalltag mit Hürden
Wer denkt, dass Belästigung «nur» auf der Baustelle ein Thema ist, der irrt sich. Ich und meine Kolleginnen erleben auch im Unterhalt und Service unschöne Begegnungen. Es gibt grundsätzlich drei Reaktionen, wenn ich und meine Kollegin zu einem Kunden kommen: Die einen sind neutral und einfach froh, wenn jemand ihr Problem löst, die anderen positiv überrascht. Und dann gibt es solche, die uns nicht ernst nehmen und fragen, ob wir nicht besser einen Kollegen mitgebracht hätten. Der Satz «oh, zwei Frauen hätte ich jetzt nicht erwartet» kann je nach Tonfall positiv oder anzüglich gemeint sein. Ich frage mich deshalb: Ist das einfach «Baustellenkultur»? Oder ist es ein Problem, das wir zu lange verharmlost haben? Ich glaube Letzteres.
Zuhause in der Branche
Im Moment arbeite ich etwa je zur Hälfte als Projektleiterin und Installateurin, diesen Mix finde ich sehr interessant. Ich plane Solaranlagen und installiere sie später auch selbst, das ist mir ganz wichtig, denn nur so kann ich die Erfahrung aus der Praxis in die Planung überführen. Ich möchte nicht die sein, die nur noch im Büro hockt, auch nachdem ich die Weiterbildung zur Projektleiterin Installation und Sicherheit abgeschlossen habe. Denn meine Hauptfähigkeiten sind zum einen das Interesse an der Installation, zum anderen an der Elektrotechnik. Eine meiner Stärken ist, dass ich beim Installieren den Überblick behalte. Ich mache mir jeweils einen groben Plan und arbeite ihn ab. Ich bin auch gut darin, Dinge zu koordinieren. Einen Moment, auf den ich besonders stolz bin? Dass ich bei meinem früheren Arbeitgeber die grosse PV-Anlage beim Circle am Flughafen Zürich in Betrieb nehmen durfte! Daran muss ich jedes Mal denken, wenn ich dort in der Nähe bin.
Zuhause in der Branche
Im Moment arbeite ich etwa je zur Hälfte als Projektleiterin und Installateurin, diesen Mix finde ich sehr interessant. Ich plane Solaranlagen und installiere sie später auch selbst, das ist mir ganz wichtig, denn nur so kann ich die Erfahrung aus der Praxis in die Planung überführen. Ich möchte nicht die sein, die nur noch im Büro hockt, auch nachdem ich die Weiterbildung zur Projektleiterin Installation und Sicherheit abgeschlossen habe. Denn meine Hauptfähigkeiten sind zum einen das Interesse an der Installation, zum anderen an der Elektrotechnik. Eine meiner Stärken ist, dass ich beim Installieren den Überblick behalte. Ich mache mir jeweils einen groben Plan und arbeite ihn ab. Ich bin auch gut darin, Dinge zu koordinieren. Einen Moment, auf den ich besonders stolz bin? Dass ich bei meinem früheren Arbeitgeber die grosse PV-Anlage beim Circle am Flughafen Zürich in Betrieb nehmen durfte! Daran muss ich jedes Mal denken, wenn ich dort in der Nähe bin.
Warum der Beruf so wichtig ist
Wenn wir mal den Strom abschalten müssen, merkt man schnell, wie abhängig die Leute davon sind. Es würde also sofort auffallen, wenn keine Stromer mehr da sind. Zu meinem Beruf gehört auch eine grosse Portion Verantwortung. Weil wir mit Strom arbeiten, müssen wir stets vorsichtig sein. Zum einen für uns selber und zum anderen für die Menschen, bei denen wir arbeiten. Es geht darum, dass am Ende alles sicher funktioniert.
Meine Faszination für diesen Beruf
Die wichtigste Voraussetzung für diesen Beruf ist Interesse: am Handwerk, an der Technik und daran, wie das Ganze funktioniert. Natürlich sollte man auch handwerklich begabt sein, aber mit Werkzeugen umzugehen, lernt man schnell. Als Berufsbildnerin darf ich in unserem Unternehmen auch die Lernenden betreuen, das schätze ich sehr. Es bereitet mir Freude, mein erworbenes Wissen weiterzugeben und die Lernenden auf ihrem Weg zu begleiten. Natürlich macht nicht alles an meiner Arbeit immer Spass. Aber ein guter Tag ist es, wenn die Kunden Freude haben an dem, was ich gemacht habe, und ich selbst auch. Es gibt aber auch Tage, an denen etwas nicht funktioniert wie geplant. Wenn ich vor einem Problem stehe, das ich nicht lösen kann, ist das sehr unbefriedigend für mich. Genau diese Situationen fordern mich aber auch heraus, und damit bleibt der Beruf spannend und anspruchsvoll.
Ich bin angekommen
Inzwischen fühle ich mich in der Branche sehr wohl. Ohne uns Stromer würde sehr vieles sehr schnell nicht mehr funktionieren, und ein Stromausfall macht die Leute sehr nervös. Dass Strom nur physikalisch vorhanden ist, man ihn nicht sieht und riecht und man ihn trotzdem nutzen kann, finde ich faszinierend. Die meisten können leider nichts damit anfangen, wenn ich sage, ich bin Elektroinstallateurin, aber den Begriff «Stromer» kennen sie.
Ich bin angekommen
Inzwischen fühle ich mich in der Branche sehr wohl. Ohne uns Stromer würde sehr vieles sehr schnell nicht mehr funktionieren, und ein Stromausfall macht die Leute sehr nervös. Dass Strom nur physikalisch vorhanden ist, man ihn nicht sieht und riecht und man ihn trotzdem nutzen kann, finde ich faszinierend. Die meisten können leider nichts damit anfangen, wenn ich sage, ich bin Elektroinstallateurin, aber den Begriff «Stromer» kennen sie.
Meine Sicht auf die Elektrobranche
Als ich mich als junge Frau entschied, Elektroinstallateurin zu werden, hätte ich nicht gedacht, dass ich fast nur mit Männern zusammenarbeiten werde und dass das so gut geht. Der Umgangston auf den Baustellen ist teilweise rau. Daran muss man sich gewöhnen und lernen, damit umzugehen. Für mich ist das ein Teil der Realität, mit der ich mich auseinandersetzen musste. Wenn junge Frauen also Begeisterung fürs Handwerk haben, sollten sie dem unbedingt nachgehen, sich nicht von der Technik als Männerdomäne abschrecken lassen. Ich empfehle unbedingt, eine Schnupperlehre zu machen, um zu entscheiden, ob der Beruf wirklich passt.
Der Blick in die Zukunft
Die Elektrobranche bietet uns allen enorm viele Perspektiven, die Arbeit geht uns nicht aus. Wir haben nach unserer Grundbildung eine sehr gute Grundlage und zahlreiche Möglichkeiten, wo wir arbeiten können und was wir vertiefen möchten. Vom Spital bis zum AKW. Egal ob Mann oder Frau. Ich zum Beispiel beschäftige mich aktuell intensiv mit Photovoltaik-Anlagen. Das motiviert mich. Auch die Installation von Ladestationen mit Lastmanagement für Elektroautos oder die Gebäudeautomation sind spannende Themen in unserer Branche. Fakt ist, wir können viel zur Energiewende beitragen.
Gerade weil die Branche so wichtig ist und stark wächst, sollte sie Frauen gegenüber offener und noch zugänglicher werden. Ich finde, es sollten mehr Frauen den Mut haben, in der Elektrobranche zu arbeiten. Dann wird es auch für die Branche und die Kunden normaler, dass Installateurinnen bei ihnen arbeiten und dass sie genauso kompetent sind wie ihre männlichen Kollegen. Und wenn dann mal über alle Gewerke viele Frauen auf der Baustelle arbeiten, wird der Ton dort auch freundlicher. Abschliessend mein Rat an junge Frauen: Wenn euch das Handwerk interessiert – macht es. Geht schnuppern, schaut es euch an. Und wenn es passt: Zieht es durch, es ist spannend!
Impressum
Text: Annette Jaccard, René Senn
Bildquelle: Michael Donadel
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