Mit Speicherung und smarter Steuerung
Zur rentablen Solaranlage
Mit Speicherung und smarter Steuerung
Zur rentablen Solaranlage
Positive Bilanz Das Ehepaar Witschi hat den Eigenverbrauch seiner Solaranlage mit Speicherlösungen, intelligenter Gerätesteuerung und angepasstem Verhalten optimiert.
Eine Solaranlage lohnt sich – besonders dann, wenn man möglichst viel Strom davon selbst nutzt. Wie sich der Eigenverbrauch steigern und damit die Wirtschaftlichkeit verbessern lässt, zeigt das Beispiel eines Einfamilienhauses in Sursee.
TEXT: CLAUDIO DE BONI, FOTOS: STEFAN KÜRZI
Wärmepumpe und Elektroboiler haben bei uns Solarstrom- Vorrang», sagt Priska Witschi aus Sursee und wirft einen Blick aufs Smartphone. Dort sieht sie live, welche Geräte gerade Sonnenstrom beziehen und wie die Solarstromprognose des Tages ist. «Heute sind es 54 Kilowattstunden (kWh) – damit könnten wir unser E-Auto einmal laden. » Wenn dieses keinen Bedarf für Strom hat, wandert ein Teil des Überschusses in eine Batterie. Mit smarter Steuerung, cleverer Speicherlösung und optimierter Nutzung haben die Witschis den Eigenverbrauch ihrer Photovoltaikanlage (PV-Anlage) optimiert – und ziehen nach einem Jahr eine positive Bilanz.
Ein hoher Eigenverbrauch ist für die Wirtschaftlichkeit von Solaranlagen zentral. Denn nachdem Solaranlagen in den letzten Jahren dank attraktiver Abnahmevergütungen und hoher Strompreise sehr wirtschaftlich waren, hat sich der Wind gedreht. Die Verteilnetzbetreiber reduzieren ihre Vergütungen für eingespeisten Strom, und die Strompreise sind wieder gesunken. Viele, die über eine PV-Anlage nachdenken, sind deshalb verunsichert: Lohnt sich die Investition überhaupt noch?
Wirtschaftliche Vorteile durch erhöhten Eigenverbrauch
«Ganz klar: ja», sagt Priska Witschi. Auch sie habe anfangs gezweifelt, ob sich die Investition wirklich rechne. Die Idee einer Solaranlage kam auf, als sie sich ein Elektroauto anschafften und über eine Ladestation nachdachten. «Da haben wir gemerkt, wie vielseitig das Thema ist», blickt Witschi zurück. «Es geht nicht nur um Solarpanels auf dem Dach», erklärt sie, «sondern auch um Speicherlösungen, intelligente Steuerung von Geräten und die Anpassung des Verbrauchs» – Ansätze, um die Wirtschaftlichkeit einer Solaranlage zu verbessern. Überzeugt haben sie schliesslich auch die finanziellen Beiträge von Bund und Gemeinde, sodass im Frühling 2024, ein Jahr nach der ersten Diskussion, die hauseigene Anlage mit einer Leistung von 15,5 kW in Betrieb ging.
Für die Wirtschaftlichkeit entscheidend ist, dass die Anlage optimal dimensioniert wird und nicht nur den aktuellen, sondern auch den zukünftig erwarteten Stromverbrauch berücksichtigt (vgl. Infobox). So lässt sich der Eigenverbrauchsanteil erhöhen. Steht etwa bald die Anschaffung eines Elektroautos oder der Einbau einer Wärmepumpe an, lohnt sich eine grössere Dimensionierung. Auch die Platzierung der Module trägt zu einer bestmöglichen Nutzung bei: Um die Stromproduktion gleichmässig über den Tag zu verteilen, empfiehlt sich bei Flachdächern eine Ost-West-Ausrichtung. Bei Steildächern von bestehenden Häusern ist die Ausrichtung gegeben – dort ist die Wahl der besten Dachseiten entscheidend. Und schliesslich spielt auch die Speicherung des produzierten Stroms eine wichtige Rolle, denn dadurch kann man möglichst viel Strom selbst nutzen – nachts oder an einem regnerischen Folgetag.
Optimale Dimensionierung einer Solaranlage
Bei der bestmöglichen Dimensionierung einer Anlage spielen zwei Faktoren eine Rolle: Erstens der Eigenverbrauchsanteil, der besagt, wie viel des produzierten Solarstroms selbst verbraucht wird. Zweitens der Autarkiegrad. Er sagt aus, wie viel des gesamten Strombedarfs durch eigenen Solarstrom gedeckt werden kann. Eine kleine Anlage erzielt zwar eine hohe Eigenverbrauchsquote, aber einen tiefen Autarkiegrad, weil sie nur einen kleinen Teil des Gesamtbedarfs deckt – teurer Netzstrom muss eingekauft werden. Eine grosse Anlage erhöht die Autarkie, weist jedoch eine tiefe Eigenverbrauchsquote auf und ist in der Anschaffung teuer. Bei diesen Überlegungen zur Dimensionierung ist zu berücksichtigen, dass der Stromverbrauch künftig durch Elektromobilität oder Kühlung im Sommer wohl steigen wird. Am wirtschaftlichsten ist ein Gleichgewicht: 60 bis 70 % für beide Werte gelten als optimal.
Solaranlage auf zukünftigen Verbrauch abstimmen
Wie sich all dies in der Praxis optimieren lässt, zeigt das Einfamilienhaus der Witschis: Zentrales Element ist eine Batterie im Keller, die Solarstrom für die spätere Nutzung speichert. Ergänzt wird das System durch eine intelligente Steuerung der Geräte – in ihrem Beispiel über die Software des lokalen Energieversorgungsunternehmens CKW. «Geräte mit hohem Stromverbrauch, in unserem Fall die Wärmepumpe und der Elektroboiler, werden tagsüber mit Solarstrom bedient», erklärt Witschi. Per App lässt sich die Nutzung jederzeit manuell anpassen, etwa um das Auto gezielt bei Sonnenschein zu laden. Dank der Transparenz über die aktuelle Produktion, den Verbrauch und die Prognose kann man auch kurzfristig sein Verhalten anpassen: Wird am Nachmittag viel Sonnenschein erwartet, könnte man den Geschirrspüler entsprechend timen.
Verlässlichere Amortisation dank neuer Vergütungsregelung
Beim Ehepaar Witschi liegt der Eigenverbrauchsanteil derzeit bei 60 %. So viel der Solarstromproduktion verbrauchen sie selbst. Mit der Anlage können sie so derzeit 55 % ihres gesamten Strombedarfs decken. Ziel ist es, beide Werte auf 60–70 % zu steigern. «Natürlich braucht es anfangs etwas Zeit, bis alles richtig eingestellt und auf das eigene Verhalten abgestimmt ist», sagt Witschi. Trotzdem liegen die Werte schon jetzt deutlich über dem Durchschnitt: Solaranlagen ohne Speicher schaffen meist nur eine Eigenverbrauchsquote von 25 bis 35 % – also in etwa die Hälfte. Dies schlägt auch wirtschaftlich zu Buche. Im ersten Jahr liessen sich mit der neuen Anlage bereits Stromkosten in der Höhe von 2300 Franken einsparen.Seit 2026 werden die Abnahmevergütungen gesetzlich vereinheitlicht. Das Bundesamt für Energie legt quartalsweise einen gemittelten Marktpreis fest, der im Sommer bei hohem Solarenergieangebot tiefer sein wird als im Winter, wenn der Strom knapp ist. Dies soll eine marktdienliche Einspeisung fördern. Für kleine Solaranlagen bis 30 kW Leistung gilt jedoch eine Mindestvergütung von 6 Rp./kWh. Die Verteilnetzbetreiber sind frei, auch höhere Preise für den Solarstrom zu bezahlen. Die Neuerungen bieten einerseits gleiche Rahmenbedingungen für alle Solaranlagen und andererseits Schutz vor massiven Schwankungen am Strommarkt. Für Priska Witschi hat sich die Investition in eine Solaranlage schon jetzt als voller Erfolg erwiesen: «Wir können aktiv etwas für die Umwelt tun – und geniessen dabei weiterhin den gewohnten Komfort.» Unerwarteter Nebeneffekt: «Ich hätte nie gedacht, dass mir auch die Technik dahinter so viel Spass machen würde.»
Mindestvergütung nicht gefährdet
Seit Januar 2026 gilt ein gesetzliches Minimum, wie viel ein Verteilnetzbetreiber für den ins Netz eingespeisten Strom vergüten muss. Für Anlagen bis 30 kW liegt er bei 6 Rp./kWh, für grössere Anlagen sinkt dieser Betrag auf 1.2 Rp./kWh bei einer Leistung von 150 kW. Entgegen anders lautenden Medienberichten ist eine solche Minimalvergütung auch im Rahmen eines Stromabkommens mit der EU zulässig – auch Deutschland und Liechtenstein kennen fixe Abnahmevergütungen. Einzig die Finanzierung müsste möglicherweise neu geregelt werden. Das Parlament wird sich in seinen Beratungen zum Abkommen mit dieser Frage beschäftigen.
Mit einem Knopfdruck kann der Stromverbrauch auch flexibel angepasst werden – etwa, um das Elektroauto gezielt bei Sonnenschein zu laden.
Per App lassen sich aktuelle Produktion, Verbrauch und Solarstromprognose bequem abrufen und so der eigene Stromverbrauch gezielt auf die verfügbare Energie abstimmen.
Impressum
Text: Claudio de Boni
Fotos: Stefan Kürzi
Informationen
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