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Weiterbildung als DNA?

Im Gespräch (v.l.) Bernhard Caviezel, Philipp Richner und René Senn

ABB hat in Baden die neue ABB Academy eröffnet. Wir haben Philippe Richner und Bernhard Caviezel gefragt, was und warum dort vor Ort trainiert wird, und was Weiterbildung für die Branche bedeutet.


Autor: René Senn
Fotos: Michael Donadel


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KNX-2023-Jan-im-Text

Hand aufs Herz: Wer hat sich in der Elektrobranche in den letzten Jahren nicht schon gefragt, ob er mit dem Tempo der Technik noch mitkommt? Ladeinfrastruktur, Energiemanagement, vernetzte Gebäude- und Energiesysteme, Normen, Schutz und Sicherheit. Was gestern noch Spezialgebiet war, landet heute oft in einem ganz normalen Auftrag. Die technischen Anforderungen an den Installateur steigen. Rasant. Hinzu kommt, dass die Produkte der Hersteller nicht einfacher werden und sich auch digital stetig weiterentwickeln. Irgendwann reicht es nicht mehr, einfach ein YouTube-Video anzuschauen, um weiterzukommen. Was es braucht, ist persönliches Training vor Ort, mit Experten, welche die Gegebenheiten der Schweiz und die Produkte kennen. ABB hat Ende 2025 in Baden ein neues Schulungscenter eröffnet: die «ABB Academy». Wir waren dort und wollten wissen: Was lernt man da konkret, und warum ist ABB diesen Schritt gegangen? Wir haben dazu mit Philippe Richner, Leiter Trainingscenter und Bernhard Caviezel, Product Marketing Director gesprochen.

ABB hat in Baden ein neues Schulungscenter aufgebaut. Das ist eine beachtliche Investition. Was war der Auslöser, und warum gerade jetzt?

Bernhard Caviezel [BC] Das Projekt stand bei uns schon länger auf der Roadmap, wurde aber leider durch äussere Umstände und interne Umzüge verzögert. Uns war es wichtig, ein einheitliches Academy Angebot über den gesamten Geschäftsbereich Elektrifizierung unter einem Dach zusammenzuführen.

In Zeiten von YouTube und Online-Kursen: Warum setzt ihr auf Präsenzunterricht?

[BC] Bei YouTube schaue ich mir eine spezifische Sequenz an, um ein spezifisches Problem zu lösen. Aber habe ich damit die Zusammenhänge auch wirklich verstanden. Ich mache etwas 1:1 nach, und wenn ich Pech habe, weiss ich es morgen schon nicht mehr? Und ganz entscheidend, der Austausch zwischen den Teilnehmer:innen fehlt online.

Philippe Richner [PR] Vor Ort können die Kunden Fragen stellen, selbst praktisch umsetzen, diese Interaktion fehlt bei YouTube und virtuellen Trainings. Die Qualität ist nicht die gleiche.

Physische Trainings wird es also immer geben?

[PR] Ganz klar. Die Interaktion vor Ort, das direkte Umsetzen an den Geräten, fachlich begleitet, das bekommst du online nicht in der gleichen Qualität. Wir sollten aber nicht unterscheiden, ob das eine oder andere. Wahrscheinlich ist es immer eine Kombination von beidem.

[BC] Und wenn ich das ergänzend darf: Der Austausch in der Gruppe. Man bringt eigene Problemstellungen ein, die vielleicht auch andere schon angetroffen haben. Das ist eine andere Qualität, als einfach nur zu konsumieren.

Kam da auch der Wunsch nach Ausbildung von Euren Kunden auf?

[BC] Ja, die Nachfrage unserer Kunden war da. Vor allem bei Themen wie Netzwerk-Grundlagen, Gebäudeautomation oder komplexeren Applikationen im Energiebereich. Wir merken, dass hier ein Nachholbedarf in der Branche besteht.

Provokant gefragt, füllt ihr hier als Hersteller eine Lücke, welche eigentlich in der Grundbildung ausgefüllt werden müsste?

[BC] Man muss da eine gesunde Balance finden. Ich habe selber Elektriker gelernt vor vielen Jahren. Die Ansprüche an den Beruf sind technisch explodiert, das kann man nicht anders sagen. Die Frage sollte mehr sein: Was können wir in der Grundbildung noch abdecken, und auf welcher Flughöhe? Wichtig für mich, an den Grundlagen hat sich nichts geändert, sie sind die Essenz von allem. Aber mit guter Qualität noch mehr in diese vier Jahre reinpacken, das wird in der jetzigen Konstellation nicht möglich sein.

Also ergänzt ihr, was die Grundbildung ggf. nicht mehr leisten kann?

[BC] Eine Grundausbildung soll neutral sein und über das Ausbildungsgesetz sauber definiert werden. Was wir als Hersteller machen, und wir sind hier nicht allein angesprochen als ABB, sind ergänzende Ausbildungen. Was wir nicht anfangen sollten, sind Teile zu übernehmen, die eigentlich in die Grundbildung gehören.

Welche Zielgruppen habt ihr aktuell mit der ABB Academy priorisiert?

[PR] Aktuell sind das Systemintegratoren, Installateure, Energieverteilungsanlagen und dann auch die Industrie. Aber, die grösste Nachfrage kommt aktuell klar aus der Gebäudeautomation. Bei uns ist das KNX, Free@home, Türkommunikation, Energiemanagement. Alles was im Smart Home aktuell zusammenfliesst.

Wo drückt bei der Ausbildung in Eurem Bereich im Moment der Wissens-Schuh am meisten?

[BC] Bei den integralen Lösungen. Im Silo funktioniert vieles gut. Aber wenn verschiedene Gewerke oder verschiedene Systeme zusammengeführt werden müssen, da sehe ich den grössten Hebel im Moment. Aber Philipp kann hier sicher gerne auch noch seine Sicht der Dinge einbringen.

[PR] Aus meiner Sicht sind es zunehmend applikationsspezifische Themen: Zum Beispiel eine energieeffiziente Beschattung mit Automatik und HLK-Integration. Die Kunden fragen nicht mehr nur produktspezifisch, sondern: Was muss ich generell beachten, und wie löse ich es mit euren Produkten?

Was sind typische Fehler in der Praxis und in den Projekten, die ihr in Schulungen gezielt korrigiert?

[BC] Viele fangen leider oft zu spät an, das richtige Konzept aufzusetzen. Anstatt am Anfang etwas mehr Zeit zu investieren und sauber zu definieren, was zusammenpasst, wird während der Ausführung korrigiert. Hier können wir mit Ausbildung sicher etwas bewirken. Sowohl technisch, wirtschaftlich sowie für den späteren Betrieb der Anlagen und Systeme.

[PR] Und wir bringen neue Ideen in die Praxis und verhindern die klassische Copy-Paste Routine. Wir kennen sie: «Ich mache es seit 20 Jahren so.» Die Kundenbedürfnisse werden leider zu wenig abgeholt. Man biegt ein System zurecht, anstatt sich zu fragen: Ist das überhaupt das richtige für diese Anforderung?

Die Gebäudeautomation wird immer vernetzter. ABB setzt stark auf Matter und SmartThings. Verändert das auch euer Schulungsangebot?

[BC] Die Digitalisierung der Gewerke vollzieht sich aktuell mit Lichtgeschwindigkeit. Wir sind aktuell der Meinung, dass IoT und die etablierten Lösungen komplementär sind. Aber die IT-Seite schafft es, Dinge für jedermann zugänglich zu machen. Da können wir in der Elektrobranche noch viel lernen. Man muss Schritt halten, sonst ist vielleicht rasch mehr IoT ohne uns da, als uns lieb ist. Hinzu kommt, es will heute kaum jemand noch zig Bus-Systeme oder User-Interfaces im gleichen Projekt. Die IT bewegt sich in diesem Umfeld sehr agil. Aber zurück zur Frage: Ja, das wird es garantiert.

Sie wird quasi netzwerkiger?

Ja, das sehen wir jetzt schon.

Ein Tag weg von der Baustelle für Aus- und Weiterbildung kostet. Was bringt diese jedoch dem Mitarbeiter?

[BC] Wir haben dazu eine klare Meinung: Lernen bedeutet lebenslang. Ich wäre heute nicht mehr in meiner Rolle, wenn ich nicht jeden Tag etwas dazulernen würde. Und nur wenn ich mich weiterbilde, kann ich sicherstellen, dass ich auch dem Marktanspruch gerecht bleibe.

[PR] Am Ende ist es eine Effizienzsteigerung. Wer mehr Hintergrundwissen hat, muss sich nicht jedes Mal alles neu aneignen und kann produktiver arbeiten.

Und was bringt sie dem Unternehmen?

[BC] Wenn ich wettbewerbsfähig bleiben will als Unternehmen, dann muss ich auch mit dem Zahn der Zeit gehen. Die Frage: «Was kostet es, wenn wir unsere Leute weiterbilden?», ist gar nicht wichtig. Die viel bessere Frage ist, was kostet es, wenn wir es nicht machen?

Weiterbildung war schon immer wichtig. Aber wird sie gerade jetzt nochmal wichtiger?

[BC] Ja unbedingt! Denn man darf nicht unterschätzen: Eine ganze Generation erfahrener Fachleute wird in den nächsten Jahren aus der Arbeitswelt ausscheiden. Dieses Wissen muss aufgefangen und kompensiert werden. Insbesondere zum Wissen zu den Grundlagen müssen wir dringend Sorge tragen.

Lässt sich das monetarisieren?

[BC] Im gewissen Masse und auf einen breiteren Zeithorizont gesehen schon. Indem ich mir damit Marktsegmente erschliesse, die interessanter sind. Ich meine von der Wertschöpfung und von der Rendite her. Statt dort zu kämpfen, wo sich viele tummeln und kaum Differenzierung stattfindet.

Differenzierung und Weiterbildung als Dreamteam?

[BC] Ganz klar. Wenn es zum Beispiel darum geht eine klassische E-Installation zu machen, finde ich in der Schweiz salopp gesagt rund 3000 Betriebe. Hypothetisch können also 2999 immer günstiger sein als ich. Habe ich mehr spezifisches Fachwissen, dann reduziert sich die Anzahl schnell. Und ich denke nicht, dass die Prozentasten auf dem Rechner das einzige Differenzierungsmerkmal sein sollte.

Hand aufs Herz: Welcher Kurs macht euch selber am meisten Spass?

[PR] Spass machen eigentlich alle, weil sie praxisorientiert sind und viel Herzblut drinsteckt. Der älteste Kurs, den ich seit 11 Jahren gebe, ist der KNX-Eisbär Kurs zum Thema Visualisierung. Das ist schon etwas Besonderes für mich. Und jetzt die neuen Kurse wie KNX-Secure und Modbus-Grundlagen, das ist mega cool.

[BC] Bei mir ist es die Energieversorgung. Wir haben hierzu ein Portfolio in der Ausbildung, welches von der Mittelspannung bis zum FI und bis zur letzten Sicherung reicht. Und, divisionsübergreifend auch eine Gesamtlösung darstellt.

Und welcher Kurs kommt 2026 neu dazu? Dürft ihr das Geheimnis den eTrends Leser:innen schon verraten?

[PR] Wir bauen das Angebot in Richtung Applikationsschulungen aus. Konkret zu den Themen Beschattung und Heizung, Lüftung, Klima. Das sind Themen, die immer stärker nachgefragt werden und hier haben wir mit dem neuen MP-Bus Gateway auch neue Möglichkeiten.

Wie viel Schulungsbedarf erzeugen die ABB-Produkte selbst?

[BC] Ich würde eher sagen, es sind die Technologien, die den Schulungsbedarf erzeugen, nicht das Produkt eines einzelnen Herstellers. Dies ist bei uns nicht anders als bei unseren Mitbewerbern. Viele Produkte sind heute digitalisiert angereichert. Wer diese korrekt einsetzen will, muss sich entsprechend weiterbilden. Basis ist immer das zuvor thematisierte Grundwissen. Deshalb finde ich diesen Punkt so essenziell.

Ein Kleinstbetrieb hat ggf. weder Zeit noch Budget für regelmässige Schulung. Wie kann so ein Betrieb seine Kompetenzlücke lösen? Hat ABB da eine Antwort?

[BC] Ich würde da auf die andere Frage zurückkommen. Sein Leistungsangebot wird klar eingeschränkt. Wer nicht in Know-how investiert, grenzt sich selbst aus. Mit Weiterbildung kann ich eventuell eine lukrative Nische finden.

Es ist also gefährlich, wenn wir nicht in Weiterbildung investieren?

[BC] Ja ganz bestimmt. Das haben wir x-mal gesehen, wie Branchen disruptiv umgewälzt wurden. Sei es im Telekom-Bereich oder in anderen Branchen. Wenn wir nicht aufpassen, sind über Nacht andere Player auf dem Markt.

Wie wisst ihr, dass eure Schulungen wirklich etwas bewirken in der Praxis?

[BC] Wir haben unsere Hotline, die Kundenberater und den Technical Support. Dies sind die besten Gradmesser.

[PR] Der beste Indikator sind die wiederkehrenden Kunden. Wenn jemand zweimal im Jahr kommt, weisst du: Es bringt ihm in der Praxis etwas. Sonst würde er nicht wiederkommen, und schon gar nicht für ein weiteres Thema.

Ein Tipp, wie man das Maximum aus einer Schulung rausholt?

[BC] Klar, ein wichtiger Aspekt: Es bringt nichts, wenn ich ein Training mache und es dann ein Jahr lang nicht anwende. Wir versuchen, die Teilnehmer zu motivieren, den Kurs zeitnah vor einem konkreten Projekt zu besuchen, damit die Umsetzung direkt folgt.

Ganz konkret: Wie viele Tage Weiterbildung pro Jahr sollte ein Elektromonteur aus eurer Sicht absolvieren, um am Ball zu bleiben?

[BC] Das kann ich so nicht direkt beantworten. Es hängt davon ab, wie die Unternehmung aufgestellt ist. Aber wenn man die Digitalisierung ernst nimmt, wird ein halber Tag pro Jahr nicht reichen.

Verändert sich etwas mit Generationenwechsel?

[PR] Man hat heute die Möglichkeit, mit ChatGPT einen Code zu schreiben. Er funktioniert vielleicht, aber ich habe kein Verständnis dafür. Es wird zukünftig immer mehr Wissen schneller verfügbar sein. Aber leider oft ohne das Hintergrundwissen. Und dann, bei einer Störung? Keine Ahnung…

Was würdet ihr einem Betriebsinhaber sagen, der seine Leute seit drei Jahren auf keine Schulung mehr geschickt hat?

[BC] Vielleicht müsste er sich fragen, wie attraktiv er als Arbeitgeber noch ist. Wenn ich in einem Betrieb arbeite, wo nichts in Weiterbildung investiert wird, komme ich schnell zum Schluss, dass ich nicht am richtigen Ort bin. Meine Loyalität zur Unternehmung wird nicht steigen.

Wenn ihr in die Branche schaut: Was müsste sich ändern, damit Weiterbildung nicht immer als Kostenfaktor gesehen wird, sondern als Investition?

[BC] Alle, die darauf hoffen, dass die technologische Evolution etwas Kurzfristiges ist, das schon wieder verschwinden wird, die hoffen vergebens. Die stetige Weiterbildung muss in unserer DNA als Elektrobranche einfach drin sein.

«Die stetige Weiterbildung muss in unserer DNA als Elektrobranche einfach drin sein.»


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Impressum

Autor/In: René Senn
Fotograf/Fotos: Michael Donadel

Informationen

https://new.abb.com/ch

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Veröffentlicht am: 17.05.2026

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