Weiterbildungsradar 2026
Die Weiterbildung der Fachleute der Elektrobranche ist ein zentrales Erfolgselement für die Energiestrategie der Schweiz.
Wie steht es heute um sie? Eine eTrends-Umfrage bei Schweizer Bildungsinstitutionen liefert Antworten.
Weiterbildungsradar 2026
Die Weiterbildung der Fachleute der Elektrobranche ist ein zentrales Erfolgselement für die Energiestrategie der Schweiz.
Wie steht es heute um sie? Eine eTrends-Umfrage bei Schweizer Bildungsinstitutionen liefert Antworten.
Die Elektrobranche steht vor einem Paradigmenwechsel.
Wer heute nicht in seine Weiterbildung investiert, riskiert morgen den Anschluss an Technologie, Markt und Energiestrategie zu verlieren. Eine eTrends-Umfrage unter Bildungsverantwortlichen zeigt: Der Handlungsbedarf ist gross. Und nicht alles läuft so, wie es laufen müsste.
AUTOR: RENÉ SENN
Die Schweizer Elektrobranche spielt eine Schlüssel rolle in der Energiestrategie 2050.
Die Schweizer Elektrobranche spielt eine Schlüsselrolle in der Energiestrategie 2050. Wie wir darauf kommen, haben wir ausführlich in Magazin 01/26 erläutert: Photovoltaik, Ladestationen, Batteriespeicher, Wärmepumpen, Gebäudeautomation, ZEV, Cybersecurity – die Liste der Technologien, die Elektrofachleute heute beherrschen müssen, wächst rasant. Vieles wäre einfacher, wenn sich die Branche früher konsequenter auf diese Entwicklungen eingestellt hätte. Heute hinken Weiterbildung und teilweise auch die Bereitschaft, sich auf neue Anforderungen einzulassen, dem Tempo der Entwicklung noch hinterher. Die Digitalisierung und künstliche Intelligenz verändern das Berufsbild zudem grundlegend, das hinterlässt ebenfalls Spuren. Weiterbildung wird damit zum Erfolgsfaktor. Sie ist Pflicht, nicht Kür.
Wo das Fundament fehlt
Auch beim Fachwissen im Bereich der Weiterbildung zeigt die Umfrage deutliche Lücken. Insbesondere die Grundlagen zu Elektrotechnik/Physik oder zu Normen und Sicherheit werden sehr oft (von 70–80% der Befragten) genannt. Dieser Aspekt dürfte auch der Grundbildung geschuldet sein, bzw. zeigt auf, wie wichtig eine durchgängige Bildungsstrategie der Branche sein muss. EIT.swiss hat mit dem aktuellen Bildungsuniversum ein grosses Projekt in diesem Bereich in eine gute Richtung angestossen.
Mitverantwortlich für diese Lücken dürfte auch ein veränderter Umgang mit Wissen sein, etwa durch KI-Tools oder Lerninhalte auf Plattformen wie YouTube. Das ist gefährlich. Denn: Diese Tools dürfen nie das Basiswissen ersetzen. Wer die Grundlagen nicht versteht, kann weder die Maschine sinnvoll einsetzen noch ihre Fehler erkennen. Das Wissen und vor allem seine Vernetzung im Kopf droht verloren zu gehen.
Marc-André Waltenspül
E-Profi Education AG
Orientierung entsteht durch Menschen, die verstehen, beraten, prüfen und entscheiden. Individuelle Lernwege gewinnen daher an Bedeutung, um Praxis- und Prüfungsanforderungen zu meistern. Mit der Elektrifizierung wächst die Vernetzung – und damit der Bedarf an Gebäudeinformatik, vom HFLehrgang bis zu Zertifikaten wie BIM, IoT, KNX und Cybersecurity.
Was wünschen Sie sich für die zukünftige Entwicklung der Schweizer Bildungslandschaft?
Mehr Zusammenarbeit über Branchen und Anbieter hinweg ist wünschenswert, um die Durchlässigkeit für Weiterbildungswillige zu erhöhen und die Innovationskraft der Schweiz zu stärken. Zudem braucht es eine klar verständliche Differenzierung zwischen beruflichen und akademischen Bildungswegen.
«Es braucht es eine klar verständliche Differenzierung zwischen beruflichen und akademischen Bildungswegen.»
Marc-André Waltenspül, E-Profi Education AG
Minenfeld Soft Skills
Sieben Bildungsanbieter, ein klares Signal: Die Sozial- und Methodenkompetenzen der Teilnehmenden bereiten Sorgen. Wer komplexe Anlagen plant, installiert und wartet, muss vernetzt denken, Durchhaltevermögen zeigen und eigenverantwortlich handeln. Fehlt diese Basis, nützen auch die besten Fachkenntnisse wenig.
Selbstständigkeit, Ausdauer und Systemdenken werden hier als Lücken genannt. Ausgerechnet diese drei Grundtugenden des Berufs fallen deutlich ab, und das in einer Zeit – oder gerade weil – KI und digitale Tools immer mehr Aufgaben übernehmen und sich der Einzelne damit kurzfristig aus der Verantwortung ziehen kann.
Daniel Richner
ipso Bildung AG / IBZ
Die Neugestaltung der NIV wird die Bildungsgänge beeinflussen. Praxisorientierte Lehrgänge und ein aktiver Verband helfen der Branche, attraktiv zu bleiben. Gute Weiterbildungsangebote halten die Mitarbeitenden in unserem Gewerbe. Die höhere Berufsbildung ist heutzutage elementar, um persönliche Berufsziele zu erreichen.
Was wünschen Sie sich für die zukünftige Entwicklung der Schweizer Bildungslandschaft?
Auch Personen mit schwächerem Bildungsniveau sollte der Einstieg in die Weiterbildung ermöglicht werden. Die Praxis sollte in den Vordergrund gestellt, und Kompetenzen mit guten Beispielprojekten gestärkt werden.
«Gute Weiterbildungsangebote halten die Mitarbeitenden in unserem Gewerbe. Die höhere Berufsbildung ist heutzutage elementar, um persönliche Berufsziele zu erreichen.»
Daniel Richner, ipso Bildung AG / IBZ
Neue Formate machen Mut
Wie erwartet, und das ist die gute Nachricht: Die Bildungslandschaft reagiert. Das klassische Seminar im Saal verliert an Boden. Wissen wird dort vermittelt, wo es gebraucht wird. Direkt am System, Gerät, auf der Baustelle, im Labor. Modulare Lernwege und Praxisformate gewinnen gemäss unserer eTrends-Umfrage deutlich an Bedeutung.
Die Umfrage zeigt aber auch, dass die Institute reagieren: Kurzformate, modulare Kurse und praxisnahe Zertifikate werden vermehrt angeboten. Auch die Hersteller erkennen diese Tendenz und positionieren sich: ABB, Feller, Hager und viele andere bieten eigene Kurse an oder betreiben gar eigene Akademien, direkt am Produkt, praxisnah und ohne Umwege. Von Expert:innen für zukünftigen Expert:innen.
Zur Umfrage
Der eTrends-Weiterbildungsradar 2026 basiert auf einer Befragung von sieben Schweizer Bildungsinstitutionen der Elektro- und Gebäudeautomationsbranche. Die Umfrage wurde im Januar und Februar 2026 durchgeführt. Befragt wurden Bildungsverantwortliche zu Nachfrage, Hemmnissen, Kompetenzlücken und didaktischen Trends. Teilgenommen haben: E-Profi Education AG, STFW Winterthur, EAZ, MPO Bildungszentrum, SIU, ipso Bildung AG / IBZ und EBZ Elektro-Bildungs-Zentrum.
Ivan Naef
SIU
Wir stellen einen Trend zu möglichst kurzen und effizienten Weiterbildungen fest. Teilnehmenden ist es wichtig, von maximaler Flexibilität und gleichzeitig persönlicher Betreuung zu profitieren. Für Fachkräfte, die bereits über die Modulatteste des Lehrgangs Elektroprojektleiter:in verfügen, ist die Passerelle dipl. Elektrotechniker:in HF besonders attraktiv. Sie ermöglicht es Teilnehmenden in nur drei Semestern, praxisnah und kompakt einen HF-Titel zu erlangen.
Was wünschen Sie sich für die zukünftige Entwicklung der Schweizer Bildungslandschaft?
Ich wünsche mir eine zukunftsorientierte Bildung mit Fokus auf Installation, Planung, Digitalisierung, erneuerbare Energien und Automatisierung, um den wachsenden Fachkräftemangel zu bekämpfen. Die duale Ausbildung (z. B. Elektro-installateur:in EFZ) sollte weiter gestärkt und durchlässige Weiterbildungen (Höhere Fachprüfungen, HF-Elektrotechnik) gefördert werden.
«Wir stellen einen Trend zu möglichst kurzen und effizienten Weiterbildungen fest. Teilnehmenden ist es wichtig, von maximaler Flexibilität und gleichzeitig persönlicher Betreuung zu profitieren.»
Ivan Naef, SIU
Pius Nauer
STFW Winterthur
Bildung ist zentral für die eigene Weiterentwicklung und Karriere. Sich auf eine Weiterbildung zu fokussieren, ihr die nötige Zeit einzuräumen und den Biss zu haben, das ganze durchzustehen, gestaltet sich für viele aber immer schwieriger.
Was wünschen Sie sich für die zukünftige Entwicklung der Schweizer Bildungslandschaft?
Der Fokus sollte wieder vermehrt auf Grundlagen gelegt werden. Heute gilt oft nur der aktuelle Stand der Technik. Er ist jedoch schnell überholt, und es gilt sich auf Neues einzustellen. Dies bedingt, dass die Grundlagen sitzen. Weniger ist mehr, dafür richtig!
«Sich auf eine Weiterbildung zu fokussieren, ihr die nötige Zeit einzuräumen und den Biss zu haben, das ganze durchzustehen, gestaltet sich für viele immer schwieriger.»
Pius Nauer, STFW Winterthur
Mut zur Weiterbildung
Weiterbildung ist keine Kür. Sie ist Pflicht. Für den Einzelnen geht es um Zukunftssicherheit, Entwicklung und Marktwert. Für die Branche geht es um genügend qualifizierte Fachkräfte. Für die Schweiz geht es um die Umsetzung der Energiestrategie 2050.
Grösstes Hindernis:
Personalmangel.
Was absolut erstaunlich ist und worüber wir in der Redaktion ernsthaft diskutiert haben: Die Befragten sind sich einig, es fehlt nicht das Budget, es fehlen die Menschen an der Arbeit. Kein Betrieb kann sich Abwesenheiten leisten, wenn schon heute zu wenig Fachkräfte da sind. In dieser Deutlichkeit hätten wir dies nicht erwartet.
Die Branche leidet unter sich selbst. Weil die Fachkräfte fehlen, können jene, die da sind, kaum weg. Nicht einmal für die Weiterbildung, die helfen würde, das Problem langfristig zu lösen. Wer kennt nicht das Bild vom Bauern, der sein Beil nicht schleifen kann, weil er jetzt Holz hacken muss? Wo läuft das hin? Die Antwort liegt in neuen Formaten.
Marcel Gautschi
EBZ Elektro-Bildungs-Zentrum
Die Elektrobranche ist einer der wichtigsten Player auf dem Arbeitsmarkt. Neue Technologien wie Home-Automation, Photovoltaik, E-Mobility und die IT-Vernetzung fordern weitere Kompetenzen der Berufsleute und teilweise eine Spezialisierung in einem Gebiet. Diese Kompetenzen werden durch Weiterbildungen erlangt und bauen auf einer soliden Grundbildung auf.
Was wünschen Sie sich für die zukünftige Entwicklung der Schweizer Bildungslandschaft?
Praxisnahe Ausbildungen, die den Elektrofachleuten bei der täglichen Arbeit einen Mehrwert bieten und schlussendlich für die Kunden die beste Qualität und Sicherheit garantieren.
«Ich wünsche mir praxisnahe Ausbildungen, die den Elektrofachleuten bei der täglichen Arbeit einen Mehrwert bieten und schlussendlich für die Kunden die beste Qualität und Sicherheit garantieren.»
Marcel Gautschi, EBZ Elektro-Bildungs-Zentrum
Und die Fachleute selbst?
Parallel zur Institutionen-Umfrage hat eTrends auch die Community auf LinkedIn befragt. Das Ergebnis ist eindeutig: 52 % bilden sich weiter wegen Karriereund Lohnchancen, 40 % um fachlich am Ball zu bleiben. Fehlende Unterstützung des Arbeitgebers nennen 7 % – Zeitmangel hingegen niemand. Der Wille ist da.
[LinkedIn-Umfrage Februar 2026, 42 Stimmen]
| Karriere- / Lohnchancen | 52 % |
| Fachlich am Ball bleiben | 40 % |
| Keine Zeit neben dem Job | 0 % |
| Fehlende Arbeitgeber-Unterstützung | 7 % |
Nachfrage:
Heute steigend, morgen unsicher.
Die Nachfrage steigt, vorerst. Das zeigt diese eTrends-Umfrage klar. Die Teilnehmenden sind vorwiegend zwischen 20 und 30 Jahre alt, stehen am Anfang ihrer Fachkarriere und suchen gezielt die Weiterentwicklung. Das ist ein gutes Zeichen. Aber: Bis 2027 erwartet die Mehrheit der Bildungsinstitutionen eine Stagnation. Warum? Für eine moderne, digitale Energie-Schweiz wäre das ein teurer Stillstand.
Zu wenig Zeit, zu wenig Referierende
Als grösste Herausforderungen ihrerseits nennen die Bildungsinstitutionen den Fachkräftemangel bei Referierenden (57%) und die knappen Zeitressourcen der Teilnehmenden (57%).
Silvan Furrer
MPO Bildungszentrum
Interdisziplinär, digital, KI-gestützt: Die Anforderungen an Elektrofachkräfte explodieren. Wenn wir den Anschluss nicht verlieren wollen, müssen wir unsere Bildungsmodelle radikal anpassen. Die zentrale Frage lautet künftig nicht mehr nur «Was lernen wir?», sondern «Wer macht was?». Eine klare Aufgabenteilung zwischen Mensch und Maschine ist der Schlüssel zur Zukunft unserer Branche.
Was wünschen Sie sich für die zukünftige Entwicklung der Schweizer Bildungslandschaft?
Das eigene Wissen ist nach wie vor zentral. Trotz KI und technologischem Fortschritt brauchen wir eine solide Basis an Elektrofachkräften, die in der Lage sind, Sachverhalte zu analysieren und Lösungsansätze zu entwickeln.
«Das eigene Wissen ist nach wie vor zentral. Trotz KI und technologischem Fortschritt brauchen wir eine solide Basis an Elektrofachkräften, die in der Lage sind, Sachverhalte zu analysieren und Lösungsansätze zu entwickeln.»
Silvan Furrer, MPO Bildungszentrum
Die Umfrageteilnehmenden
Sieben Bildungsinstitutionen aus der Deutschschweiz haben an der eTrends-Umfrage teilgenommen.
| EAZ Zentralschweiz Horw www.eaz.ch |
|
| EBZ Elektro-Bildungs-Zentrum Effretikon www.ebz.ch |
|
| E-Profi Education AG Eschenbach SG www.e-profi.ch |
|
| ipso Bildung AG / IBZ Aarau, Basel, Bern, St. Gallen, Winterthur, Zug, Zürich www.ipso.ch |
|
| MPO Bildungszentrum Frutigen www.mpo-bildungszentrum.ch |
|
| SIU Aarau, Basel, Bern, Luzern, Olten, St. Gallen, Winterthur, Zürich www.siu.ch |
|
| STFW Winterthur www.stfw.ch |
Impressum
AUTOR: RENÉ SENN
Informationen
- Berufsbildung
- Bildung
- Digitalisierung
- EIT.swiss
- Elektrobranche
- Elektrotechnik
- Energiestrategie
- Fachkräftemangel
- Künstliche Intelligenz
- Weiterbildung
Veröffentlicht am:

