Vom Bimetall zum Touchscreen
Vom Bimetall zum Touchscreen
Endlich ist sie da: die Alternative zu Bimetall-Thermostaten, die eine saubere Temperaturregelung und allenfalls die Integration ins Smart Home ermöglicht. Wir haben den neuen Matter-Raumthermostaten von Feller einem Praxistest unterzogen.
TEXT UND FOTOS: René Senn
Meine erste Reaktion, als ich den neuen Matter-Raumthermostaten von Feller an der Electro-Tec 2025 in Bern gesehen habe, war ziemlich direkt. Ich habe Martin Binder, Produktmanager bei Feller, gefragt: «Martin, warum wurde so ein Thermostat nicht schon viel früher erfunden?»
Schon lange fällig
Ganz ehrlich: Ich hatte mich schon lange gefragt, warum wir nach Stand der Technik immer noch mit Bimetall-Thermostaten arbeiten. Ein Stück Blech, das sich bei Temperaturänderung biegt und dabei den Kontakt schliesst oder öffnet. Das Ganze schaltet den Stellantrieb, es regelt ihn nicht wirklich fein. Es ist träge, ungenau und technisch eigentlich längst überholt.
Jetzt gibt es also eine einfache digitale Lösung? Da wird mir warm ums Herz. «Muss ich testen», war meine Reaktion, «mein Büro ist perfekt dafür geeignet!» Denn im eTrends-Büro tat genau so ein altes Gerät seit Jahren seinen Dienst. Funktioniert hat das irgendwie. Aber im Büro war es meistens zu warm, keine Chance, mit fünf schwarzen Punkten, einem Strich und einem Stück Bimetall die Wunschtemperatur genau einzustellen.
Da wird mir warm ums Herz
Mit dem neuen Matter-Raumthermostaten bringt Feller einen Nachfolger, der diese Nachteile beseitigt: grosses Display, Touchscreen statt Drehknopf, einfache Konfiguration direkt am Gerät, präzise digitale Sollwerterfassung, lautlose elektronische Regelung statt Blechbiegung, Eco-Modus, Fenstererkennung und dazu der grosse Versprechensanker «Matter-kompatibel». Ein Feller-Statement, das ich nach dem ersten Test unterschreiben kann, lautet: «Die smarte Lösung für die perfekte Raumtemperatur.»
Kritischer sehe ich die Kommunikation rund um den Matter-Thermostaten. Hier entsteht schnell der Eindruck, dass das Gerät selbst das Smart Home bildet. In der Praxis zeigt sich jedoch: Der Thermostat ist Teil eines Systems, nicht dessen Zentrum.
Neben dem eigentlichen Praxistest werden wir deshalb auch diese Ebene einordnen und die Rolle der Installateure genauer betrachten. Denn Matter-Ökosysteme funktionieren leicht anders, als es sich die Elektrobranche vielleicht gewohnt ist.
«Der Thermostat ist Matter-fähig. Die Smart-Home-Funktion entsteht jedoch erst durch das Ökosystem.»
Installation: 1:1-Tausch schnell erledigt
Der Austausch des bestehenden Raumthermostaten erwies sich als äusserst einfach, muss aber trotzdem von einer Fachkraft ausgeführt werden. Mein Büro: ein einziger Fussbodenheizkreis, ein Stellantrieb, ein Raumregler. Eine ideale Testumgebung. Als Erstes also die Sicherung raus und testen, ob der Stromkreis wirklich stromfrei ist. Den alten Bimetall-Regler demontieren, den neuen Matter-Thermostaten installieren. Die Klemmenbelegung blieb dieselbe wie beim Vorgänger, die Drähte konnten 1:1 übernommen werden. Wichtig: Der Matter-Thermostat braucht Dauerstrom für Display, WLAN-Modul und Regelelektronik und damit zwingend den N-Leiter in der Dose. In der Regel ist der N-Leiter aufgrund der thermischen Rückführung auch beim Bimetall-Thermostaten schon vorhanden. Tipp: Beim Nachrüsten diesen Punkt vorher abklären, damit die Offerte dann auch stimmt.
Erst Rahmen, dann Thermostat
Erfreulich praktisch bei der Installation erwies sich das neue Snapfix-Befestigungssystem, mit dem mein Test-Thermostat ausgerüstet war: Rahmen ansetzen, mit vier Schrauben fixieren, Thermostat nach Schema verdrahten, einschnappen, mit vier weiteren Punkten arretieren – fertig. Steckklemmen für die elektrischen Verbindungen statt Schraubverbinder beschleunigen die Sache zusätzlich. Insgesamt hing das Gerät in wenigen Minuten sauber an der Wand. Sicherung wieder rein, das Display erwacht, und damit beginnt der eigentlich spannende Teil: die Konfiguration. Warum Feller dies im Factsheet «Programmierung» nennt, bleibt mir ein Rätsel. Denn nach dem Einschalten führt der Thermostat Schritt für Schritt durch die Grundeinstellungen.
Konfiguration: überraschend einfach
In der Praxis ist das eine einfache Sache. Sprache, Grundfunktion, Temperaturbereich mit Minimal- und Maximalwert, Helligkeit und Dauer der Displaybeleuchtung, Wirkungsweise des Stellantriebs sowie Netzwerkverbindung: Alles wird direkt am Touchscreen abgefragt und bestätigt. Das Display reagiert sauber, die Menüführung ist verständlich und die Symbole sind weitgehend selbsterklärend. Gerade für ein Gerät, das später vielleicht nie in eine App eingebunden wird, ist das wichtig. Denn auch im Standalone-Betrieb muss der Installateur die wichtigsten Parameter direkt am Gerät setzen können. Besonders praxisrelevant ist die Einstellung des Stellantriebs. Hier muss gewählt werden, ob der angeschlossene Antrieb stromlos geschlossen oder stromlos offen ist. In meinem Fall war das der einzige Punkt, bei dem ich genauer hinschauen musste. Die Logik wirkte im Vergleich zum alten Thermostaten gegenteilig. Ebenfalls direkt am Gerät sichtbar sind später Betriebszustand, Soll- und Ist-Temperatur sowie die Netzwerkdaten. Der Thermostat zeigt IP-Adresse, WLAN-Signal und Gerätestatus an. Das ist hilfreich, wenn man prüfen will, ob er sauber im Netz integriert ist.
Regelung, wie sie sein muss
Die Regelung funktioniert ganz einfach. Gewünschte Solltemperatur einstellen, Heizbetrieb prüfen, fertig. Der Thermostat zeigt an, ob er heizt, und macht damit etwas sichtbar, das beim alten Bimetall-Regler höchstens als Klick irgendwo hinter der Abdeckung wahrnehmbar war. Unter dem Strich ist die Konfiguration deutlich einfacher als der Begriff «Programmierung» vermuten lässt. Für den klassischen Ersatz eines Raumthermostaten braucht es erstmal keine Smart-Home-Kenntnisse. Diese kommen erst ins Spiel, wenn Matter genutzt werden soll. Es ginge also auch ohne Matter, denn auch so bietet der Thermostat aus meiner Sicht schon grosse Vorteile.
QR-Code scannen, Thermostat verbinden
Im nächsten Schritt lässt sich der Thermostat direkt über den QR-Code, der auf dem Display erscheint, auf dem Smartphone einbinden. In meinem Test hat das mit dem Apple-Smartphone problemlos funktioniert. Code scannen, Gerät erkennen lassen, verbinden. Nach kurzer Zeit war der Thermostat in der Apple Home App sichtbar. Das wirkt im ersten Moment wie «fertig eingerichtet». Der Thermostat ist erreichbar, lässt sich auf dem Smartphone anzeigen und damit bedienen. Temperatur einstellen usw. kein Problem. Aber genau hier entsteht schnell der Eindruck, dass das Smart Home bereits steht. Technisch betrachtet ist das aber erst der erste Schritt: Der Thermostat ist im Netzwerk, verbunden mit dem Smartphone und Apple Home, mehr nicht. Sprachsteuerung und Automation sind so jedoch noch nicht möglich.
Vorsicht: Matter ist ein Ökosystem, kein Selbstläufer
Wer mehr will als die lokale Bedienung am Thermostaten oder am Smartphone, braucht nun einen sogenannten Matter-Controller. Er ist das Herzstück des Matter-Systems in der Wohnung oder im Haus. Je nach Ökosystem kann das zum Beispiel ein Apple TV, ein HomePod, ein Google Nest Hub, eine SmartThings-Zentrale oder sonst ein kompatibles Gerät sein. Erst mit dieser Komponente wird der Thermostat Teil eines grösseren Systems, und erst dann sind Automationen, Szenen und Sprachsteuerung möglich. In meinem Büro war genau das nicht der Fall. Der Thermostat liess sich einrichten und lokal nutzen, die Sprachsteuerung und Automation funktionierten jedoch nicht. Der Grund ist einfach: Es fehlte der Controller im Hintergrund. Das ist kein Fehler des Thermostaten. Es zeigt aber, dass Matter nicht einfach mit dem Gerät allein erledigt ist.
Ein Matter-Controller für mehr Funktionalität
Ein Matter-Controller muss dauerhaft in Betrieb sein, damit das Matter-Ökosystem im Hintergrund funktioniert. Dieses Gerät kommt meistens (zuerst) vom Endkunden. Und genau hier entsteht eine erste Hürde. Während der Installation ist besagtes Gerät oft noch nicht eingerichtet. Auch das WLAN des Kunden ist oft noch nicht definitiv vorhanden oder freigegeben. Für Installateure ist das ein wichtiger Punkt: Sie montieren und verdrahten zwar den Thermostaten, die Matter-Integration spielt sich aber oft im Kunden-Ökosystem ab: Apple, Google, Samsung oder Amazon. Somit entsteht eine neue Schnittstelle, bei der Verantwortung und Support nicht immer klar geregelt sind. Was passiert, wenn der Controller ausfällt, vom Netz getrennt wird, hinter einer geschalteten Steckdose hängt oder später ersetzt wird? Dann funktionieren Automationen und Sprachsteuerung unter Umständen auch nicht mehr. Bei Wohnungswechseln in Mietobjekten oder bei Systemänderungen wird diese Frage besonders relevant. Ein eingebundenes Matter-Gerät lässt sich nicht in jedem Fall einfach und ohne Vorbereitung auf einen neuen Controller übertragen. Manchmal hilft nur ein Factory-Reset.
Fazit zum Test
Die vollständige Einbindung in ein Matter-System mit dauerhaftem Controller, Automationen und Sprachsteuerung haben wir in diesem Test noch nicht abschliessend geprüft. Dass dies funktioniert und Vorteile bringt, liegt auf der Hand. Dafür zeigt der Test etwas anderes sehr deutlich: Als moderner Ersatz für einen alten Bimetall-Raumthermostaten überzeugt der Matter-Raumthermostat von Feller. Die Montage ist einfach, die Bedienung logisch, das Display schön gemacht und die lokale Regelung deutlich präziser als beim alten Drehregler. Matter ist hier nicht die Voraussetzung, sondern die zusätzliche Ebene. Als Raumthermostat funktioniert das Gerät sofort und überzeugend. Als Matter-Gerät entfaltet es seinen vollen Nutzen erst dann, wenn das passende Ökosystem vorhanden ist.
Matter: Chance oder neues Support-Thema?
Matter geistert gerade als Heilsbringer durch die Branche. Aber Vorsicht: Aus Sicht des Endkunden ist Matter attraktiv. Geräte lassen sich einfacher kombinieren, verschiedene Marken funktionieren im gleichen Ökosystem, und die Einrichtung per QR-Code ist tatsächlich komfortabel. Kunden können sich viele Matter-Plug&Play-Geräte im Onlineshop kaufen, selbst zusammenstellen und einbinden. Für Installateure entsteht daraus jedoch nicht automatisch ein neues Geschäftsmodell, sondern schnell auch ein neues Support-Thema.
Denn aus Sicht der Elektrobranche ist die Lage differenzierter. Matter-Geräte laufen in der Regel im Netzwerk der Endkunden. Beim Matter-Raumthermostaten von Feller heisst das konkret: im WLAN der Kunden. Genau dieses WLAN ist in der Installationsphase aber oft noch nicht definitiv vorhanden, dokumentiert oder freigegeben. Noch weniger klar ist, ob Apple Home, Google Home, SmartThings oder Alexa mit einem passenden Controller eingerichtet sind. Was, wenn der Controller einmal getauscht wird oder nach einem Update nicht funktioniert? Wer ist dann verantwortlich?
Wer Matter professionell anbieten will, muss deshalb nicht nur das Gerät installieren, sondern auch das Ökosystem verstehen: Controller, Plattform, Benutzerkonto, WLAN, Übergabe und spätere Verantwortlichkeit. Genau hier entscheidet sich, ob Matter in der Praxis wirklich einfach wird.
Matter kann eine gute Lösung für die smarte Wohnung sein. Es ist aber aus Sicht der Endkunden gedacht, nicht aus Sicht der professionellen Installation. Die Elektrobranche muss deshalb klären, welche Rolle sie bei Matter übernehmen will. Sprich: Mit Matter wird es nicht einfacher als mit anderen standardisierten Bussystemen – nur anders.
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